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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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in einen: Winkel und unter Einschaltung einer ganz be-scheidenen Ziffer (1) versteckten Klausel entgangen sein.Lasker jedoch, obgleich kein Sachverständiger von Profession,hatte mit der ihm eigentümlichen Fähigkeit, die Essenz einerSache herauszugreifen, sofort die ganze Tragweite des un-scheinbaren Nachsatzes erkannt. Er beantragte, daß derSatz gestrichen werde, welcher die sich auf Kapitalshöhe beider Notenausgabe beschränkenden Banken von den Vorsichts-regeln der Anlage befreite. Der Regierungskommiffär be-mühte sich viel mehr, zu zeigen, warum er zur Zeit, alsnoch keine Reichsbank geschaffen werden sollte, zu jeneinNotbehelf seine Zuflucht hatte nehmen müssen, als Wider-stand gegen den Streichungsantrag zu erheben; ja sogar,er erklärte ausdrücklich, daß dem Antrag Lasters kein Be-denken entgegenstehe. Daraus ward derselbe gegen dieOpposition nur einer einzigen Stimme in erster Lesungangenommen! In zweiter Lesung unter ganz passivem Ver-halten der Regierung bejahte eine starke Mehrheit dieselbeEntscheidung, trotzdem bereits derjenige Widerstand diesmalauftrat, der bis zu deu Beratungen des Plenums so ge-waltig anschwellen sollte.

Zwischen dem Abschluß nämlich der Kommissions-Ver-handlungeu und dem Anfang der zweiten Beratung imReichstag hatte das Mutterauge der Privatbanken sehr wohlerkannt, welches die unabsehbare Tragweite des Freibriefessei, den die Aufrechthaltung der unscheinbaren Ziffer 1 iniSchlußsatze des Paragraphen 44 ihnen aushändigte. Wäh-rend nun ein Sturmlaufen auf alle maßgebenden Kreisebegann, ansehnliche Personnagen, die an der Spitze vonBanken stehen, auf dem Platze erschienen, um ihre Sachezu verteidigen, verbreitete sich ganz leise, leise, frommeWeise unter den Abgeordneten die Anschauung, daß mitder Beseitigung der Nummer 1 an der betreffenden Stelle