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daß gar viele Wörter über ihren ersten sprachlichen Sinnim Laufe der Zeit hinausgegangen sind, ohne daß derstehen gebliebene ursprüngliche Laut Anstoß oder Irrtumbereitete. Vielmehr gleitet im täglichen Gebrauch der buch-stäbliche Sinn des Ausdrucks so leicht und unbeachtet amOhr vorüber, daß erst nach absichtlich erregter Aufmerksam-keit der Gedanke längs des Weges zurückgeführt wird,welcher zwischen dem Ursprung des gebrauchten Bildes undseiner dermaligen Verwendung liegt. Solche Sinnver-schiebungen bezeichnen den Gang menschlicher Entwicklungauf den mannigfaltigsten Gebieten. Schwerlich dachten dieRömer der Kaiserzeit bei dem Worte ^sstiing-rs noch daran,daß es von Hause aus bedeutete: den Wert eines Gegen-standes in seinem Gewicht an Erz oder Kupfer abschätzen,und sie wendeten es ruhig auch auf jede Veranschlagungin Gold oder Silber, ja, von da weiter gehend blos figür-lich an. Vielleicht, daß nach Jahrhunderten beim Wort„versilbern" einem Sprach- oder Geschichtsforscher der Ver-dacht auftauchen wird, es heiße dasselbe darum so vielwie verwerten, weil in alten Zeiten das silberne Geld dieGrundlage des Tauschverkehrs gebildet habe. Aber derRückblick auf jenen altrömischen Sprachgebrauch erweckt inuns eine Gedankenreihe nicht mehr bloß etymologischerNatur. Es kann also, sagen wir uns, ein Metall bis zudem Grade die Verkörperung des allgemeinen Tauschwertesgeworden sein, daß die menschliche Vorstellung in Gestaltder Sprache dasselbe schlechthin als den ?ndgiltigen Wert-messer behandelt; wie arAsut, im Französischen nicht nur Silbersondern auch Geld bedeutet; und es kann dennoch ein solchesMetall durch die historische Entwicklung aus seinem hohenBerufe verdrängt und zum Material für den allgemeinenWirtschaftsdicnst degradiert werden. Was uns die Sprache inAusdrücken wie akstiumrö, Äks aliönuin, xsr ass et lidrain