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Geschichte der Edelmetalle weist abwechselnd Perioden vor-wiegend reicher Zuflüsse bald von Silber, bald von Goldauf, und im einzelnen folgte das Wertverhältnis in seinenSchwankungen dem Gesetze des vermehrten oder vermindertenVorrats. Aber alle diese Wellenbewegungen durchzieht alskonstante Richtung das Sinken des Silberwertes gegenüberdem Goldwert, mit dem Erfolg, daß an die Stelle einesursprünglichen Verhältnisses von ungefähr 10 zu 1 nachund nach im Anfang unseres Jahrhunderts das Verhältnisvon 15^2 zu 1 getreten war.*) Und angenommen auch,dieses stetige Fortrücken wäre nur das Resultat eines instärkerem Maße anwachsenden Silbervorrats, so würde dasden Satz nicht umstoßen, daß die Abweichung mit derselbenTendenz zuzunehmen bestimmt ist; denn die wirkende Ur-sache, das Anwachsen, ist durch eine vieltausendjährige Er-fahrung zugleich als eine bleibende bestätigt. Aber die Er-scheinungen der Neuzeit haben uns gezeigt, daß es nichtdas Maß der Vorräte ist, welches in diesem Gegenseitig-keitsverhältnis den Ausschlag giebt. Während wir nämlichheute erleben, daß eine verstärkte Silberzufuhr den Markt-preis dieses Metalls um viele Prozente nach abwärts treibt,hat sich vor dreißig Jahren die massenhafte Ausbeute derkalifornischen und australischen Goldfelder über die Welt er-gossen, ohne nennenswerte Veränderungen in dem Preisedes Goldes nach sich zu ziehen. Man hat berechnet, daßin den ersten vier Jahren nach jener Entdeckung die jähr-liche Goldproduktion um das vierfache stärker war als inder entsprechenden vorhergehenden Periode. Trotzdem wichin derselben Zeit der Goldpreis, am Silber gemessen, kaum
") Michel Chevalier meint, daß das Gesamtergebnis der amerikani-schen Metallzuflüsse früherer Jahrhunderte die Getreidepreise verteuerthabe in Silber um das sechsfache, in Gold um das vierfache (inseinem älteren Werke „I-s, mollvate").
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