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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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welchem die Konquistadoren natürlich, und vielleicht mitRecht, eine Krone sahen. Die größeren Vorräte an Goldwaren im Besitze der Kaziken, denen das Metall von denUnterthanen abgeliefert wurde. Ebenso fanden später dieEroberer Perus die Inkas als die Herren der Silberschätze;für sie wurden die Bergwerke betrieben. Handle es sichnun um Asien, um Ägypten oder um Phönizien , denTempelbau Salomonis oder die Schicksale des Krösus: all-überall tritt uns Silber und Gold entgegen als ein Stoff,der, je höher gepriesen, desto ausschließlicher uur von denMächtigen als Schatz angehäuft oder von den Reichen nndWohlhabenden zu Zierrat, zu Kleinoden, kurz zur bloßenVerschönerung des Lebens verwendet wird. Es stimmt diesmit einem Grundzug der menschlichen Natur, daß das Ent-behrliche höher gestellt wird als das Unentbehrliche, dieKuust über das Handwerk, die Hingebung über die Selbst-erhaltung, so auch das, was zum Schmuck des Daseinsdient, über das, was zu dessen Fristung notwendig. Diemythologische Formel desEisernen Zeitalters" als desunerfreutesten nnd unedelsten sagt alles mit einem Worte.Nur Metalle, die nicht zum gemeinen Leben gebrauchtwurden, konnten die Herrschaft über die Phantasie derMenschen in dem Grade erlangen, um sie maßlos zu unter-jochen. Je weiter sich der Sinn von der Notdurft desLebens entferirt, desto mehr steigt er vom Gemeinen undDienenden zum Erhabenen und Herrschenden auf. Erst alsdie Verwendung zu bloßem Luxus in Verbindung mit ihrerrelativen Seltenheit und Unzerstörbarkeit dahin geführt hatte,die Edelmetalle zn Maßstäben und Tauschmitteln gegenüberallen anderen Dingen zu machen, erst dann konnte undmußte aus dieser Gewohnheit allmählich in dem menschlichenGehirn sich eine Vorstellungsweise herausbilden, die nnnselbst wiederum der Herrschermacht des glänzenden Stoffes