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Anfang an mit absichtlicher Blindheit die Thatsachen ignoriertennd endlich, als diese ihm gewaltsam die Augen öffneten,sich mit allerhand Plausibilitäten und Hoffnungen darüberhinauszuhelfen suchte uud schließlich doch nicht anders alssich gefangen geben konnte, aber auch dann noch zu der-jenigen Form der Kapitulation feine Zuflucht nahm, welchedie Bedeutung der Sache am meisten verhüllen mochte.Man fühlt aus des Ministers Sah schriftlichen wie münd-lichen Ergehungen übrigens einen Sinn heraus, dem dieWahrheit ganz gut bewußt ist, der aber unter dem Druckdes offiziellen Schlendrians sich zu einer Transaktion zwischenbeiden hergiebt. Nach der faktischen Einleitung zum Gesetz-entwurf, welcher den Stand der Gesetzgebnng darstellt, wirdendlich zum erstenmal eingeräumt, daß die Vorgänge in derWelt etwas Bedenkliches haben und sogar zu Maßregelnnötigen. Bis dahin hatte es nur immer geheißen: es seialles in schönster Ordnuug und höchstens eine gewisseMäßigung im Silberprägen rätlich. Jetzt wird zugestanden,daß das Silber stetig an Wert einbüßt, und aus der bloßzuwartenden Stellung des Staates rückt man zur Höhedes Eutschlusses vor: „daß der Staat die Zahl der Silber-stücke nicht vermehren lassen dürfe, für welche er verant-wortlich ist, und deren Einwechslung gegen Gold, wenneine solche notwendig würde, auf seine Kosten zu geschehenhaben würde." Man sieht, wie eine bis dahin noch abge-lehnte Möglichkeit mit dem Gefolge ihrer schweren Kostensich in den Gesichtskreis drängt. Um jedoch aus dieserMöglichkeit noch immer keine Wahrscheinlichkeit zu machen,werden alle Eventualitäten heraufbeschworen, welche viel-leicht noch eine Umkehr im Gang der Entwicklung herbei-führen könnten: wenn einmal Dentschland sein entbehrlichesSilber würde verkauft habeu; wenn vielleicht die ameri-kanischen Silberminen zu versiegen ansingen; oder wenn
kudlvig Lnmberger's Scs, Schriften. IV. 23