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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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Preis des Silbers von 60 auf 47 herunter gehen sehen,dann wieder bis 54 emporschnellen, nm bald darauf wieder zu51 herabzukommeu. Nicht blos die Produktion des Me-talles nnd der Gang des Welthandels, sondern die Gesetz-gebungsarbeiten selbst wirken mit an diesem unaufhörlichenWechselgang, und jeder Antrag im Kongreß zn Washington,oder in der Kammer zu Versailles köunte alles aus denFugen bringen, was menschliche Weisheit abgezirkelt hätte.

Enthält die vorausgegangene Darstellung der Hergängeauf französischem Boden auch in sich eine Kritik der be-treffenden Müuzpolitik, so ist diese Kritik doch für die hierverfolgte Absicht ein schlechthin zufälliges Nebenprodukt.Mit Lob oder Tadel iu dieseu Dingen uns über dieGrenzen des eigenen Staatsgebietes hinaus zu begeben,liegt gar kein Anlaß vor. Vom deutschen Standpunkt ausist die Zauderpolitik der französischen Finanzleitung sogarnur als ein großer Vorteil zn betrachten, und je länger sieanhält, desto besser für uns. Schade nur, daß auch iu derReichsfinanzleitung jenes beseligte Ruhegefühl waltete,welches allen Mahnungen zum Benützen der kostbarenAugenblicke eiu:nur nicht drängeln!" (wie man in Berlin sagen würde) entgegenhielt. Schon vor drei Jahren wurdeauf das, was jetzt eingetreten ist, vorbereitet, schon damalsnachgewiesen, daß Frankreich früher oder später aus seinemWinterschlaf erwachen und dem Silber seineu Markt ver-schließen müsse, daß es gelte, die möglicherweise kurze Fristzu benützen; auch bei uns wollte mau dem uuaufhaltsameuZug der Dinge keinen ganzen Glauben schenken, und umdas eigeue Sicherheitsgefühl zu erhöhen, redete man sich ein,wir hätten gar kein Silber zu entbehren, eine Behauptung,welche, so oft sie auch vorgebracht worden, heute wahr-scheinlich von ihren eifrigsten Vertretern schon preisgegebenist. Wie übrigens jedes Unglück zu etwas gut ist, so hat