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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Kein Wunder also, daß die Münzpolitik mit besonderemEifer gepflegt wird. Aber nicht bloß um die lehrhaftenProbleme handelt es sich. Vielmehr legen sich die that-sächlichen Erscheinungen, welche so viel zur Anregung derFrage beigetragen haben, mit ihrem ganzen stofflichenSchwergewicht quer über die Wege der theoretischenForschung. Am ersten Tage des Eintritts in die deutscheMünzreform bezeichnete ich die Frage:Wohin mit demSilber?" als die schwierigste des ganzen Unternehmens.Und die, welche damals meinten, ich mache mir darüber zuviel Sorgen, sind Wohl seitdem von ihrer Ansicht zurück-gekommen. Als Gegenstück zu jener Frage wird nun seiteiniger Zeit eine andere aufgeworfen:Woher das Gold?"Läge in derselben mit Recht der Hinweis auf eine Gefahr,so wäre sie noch viel ernster zu nehmen. Denn dem Über-fluß, wie groß er immer sei, ist im Allgemeinen eher ab-zuhelfen, als dem Mangel.

In neuester Zeit haben namentlich zwei Männer vonFach die Frage mittelst emsiger Nachforschungen auf demGebiete der Geologie und der Bergwerkskuude zu beant-worten gesucht. Beide sind zu entgegengesetzten Resultatengelangt. Der eine bedroht die Welt mit Goldhungersnoth,wenn sie nicht zur Praxis der alten Doppelwährung zu-rückkehre. Der andere, ohne auf die Münzfrage einzugehen,schildert die australischen Lager in solcher Weise, daß sie unsnoch auf lange hinaus unerschöpfliche Schätze verheißen.Hören wir Einen nach dem Anderen.

Herr Eduard Süß hat ein belehrendes und höchst an-ziehendes Werk geschrieben, welches erDie Zukunft desGoldes" benennt, weil es im großen und ganzen auf denSchluß hinzielt, daß das Gold eine sehr zweifelhafte Zu-kunft vor sich habe. Das Argument, mittelst dessen dieserBeweis geliefert wird, füllt bei weitem den größeren Teil