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Schwebezustand ein Ende machen sollen. Es ist ein wunder-licher Rat, nnser besseres Loos mit jenem schlechteren zuvertauschen, weil in hundert oder zweihundert Jahren ver-mutlich der bessere Zustaud sich iu den schlechteren ver-wandelt haben werde!
Der Rat ist übrigens nicht neu. Ans näher liegendeund enger begrenzte Möglichkeiten gestützt, hat ihn ein be-kannter Gönner des Silbers, Herr Ernst Seyd in London ,schon vor zwei Jahren erteilt. Sein Argument ist einfachans der Berechnung gezogen, daß bereits dermalen nichtGold genug in der Welt sein würde, um daS Bedürfniszn befriedigeu, wenn nur sämtliche Länder, welche jetztnoch in der Doppelwährung oder gar in der Papicrwirt-schaft stecken, den Reinignngsprozeß vornehmen nud zurGoldwährung sich emporarbeiten wollten. Auch dieserminder kühnen Hypothese gegenüber bleibt man kalt. Esfällt uns nicht ein, die vorteilhafte und vernunftgemäßeMünzverfassung, die wir Deutsche uus mit gutem Vor-bedacht erobert, Preis zu geben, weil sie in ihren logischenKonsequenzen zu den an sich ungewissen und der Zeit nach jeden-falls unberechenbaren Bewegungen anderer Nationen nichtstimmen würde. Einstweilen steht nur so viel fest: DieLäuder der reineu Goldwährung umfassen vorerst nnr 140Millionen gegenüber 940 Millionen mehr oder wenigerkultivierter Seelen, die mit Papier, Silber oder Doppel-währung leben. Umgekehrt aber wird die Jahresproduktiouan Silber auf 300 Millionen, die Goldproduktion auf 450Millionen Mark in Bausch uud Bogen veranschlagt. Essieht demnach gewiß nicht so aus, als sollten die glück-lichen Inhaber der ausschließlichen Goldwährung in Ver-legenheit geraten wegen Mangels an Znfnhr.
Und angenommen selbst, der Gegner hätte Recht!Sein prophetischer Satz enthält eine Wendung, an der man