einer allgemeinen vergleichenden Geographie. 5
vermag; beide können nur die Selbständigkeit einer solchen Ei-genthümlichkeit bewahren. Sie selbst aber geht von einer höbernMacht aus, als die des verschwindenden Menschen ist. Nur inseiner Macht und mehr noch in seinem Berufe liegt es, sich ihrerbewußt zu werden im Leben; denn ohne dieses Bewußtsein kannihm sein Thun nicht gelingen.
Die Eigenthümlichkeit des Volks kann nur aus seinem Wesenerkannt werden, aus seinem Verhältniß zu sich selbst, zu seinenGliedern, zu seinen Umgebungen, und weil kein Volk ohne Staatund Vaterland gedacht werden kann, aus seinem Verhältniß zubeiden, und aus dem Verhältniß von beiden zu Nachbarländernund Nachbarstaaten.
Hier zeigt sich der Einfluß, den die Natur auf die Völker,und zwar in einem noch weit höhern Grade, als auf den einzelnenMenschen, ausüben muß, weil gleichsam hier Massen auf Massenwirken und die Persönlichkeit des Volkes über die des Menschenhervorragt.
Dieser Einfluß ist anerkannt und von jeher ein wichtigerGegenstand der Untersuchung für Völker-, Staats- und Menschen-Geschichte gewesen; auch in unsern Tagen ist er laut zur Sprachegekommen.
Es wirkt aber die Natur überall nur allmählig, und mehrnoch im Verborgenen, als am hellen Tage. Das Saamenkornkeimt unter der Erde, und in der verhüllten Knospe ist schonwieder die Schöpfung eines neuen Geschlechts vorbereitet. Sosind ihre Verhältnisse und Einwirkungen überall tiefer, als sie er-scheinen, einfacher, als sie in der ersten Mannichfaltigkcit ausschn,und zum Erstaunen weit sich verbreitend und folgenreich. Ja diestille Gewalt, die sie ausübt, bedarf einer gleich stillen Seele, indie ihre Erscheinungen eingehen, um in. ihrer Gesetzmäßigkeit un-'gestört bis zum Mittelpunkte zu dringen.
Es bedarf, um eine ähnlich gebildete Seele zu begreifen, oftnur eines äußern Zeichens, des rechten Blickes, des innigen Wor-tes, weil das Gleiche das Gleiche versteht. Aber die Natur stehtdem Menschen jetzt wenigstens nicht mehr so nahe; sie ist ihm