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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Einleitung zu dem Versuche

liche Ruhe versenkt, oder die Hitze zur brennenden Leidenschaftaufregt, dort lagert sich unter dem Polarstern rund um den eisigenPol in weiter, flacher, vielfach durchschnittener Scheibe der Nor-den der Erde an, und erinnert an das Gebiet der Nacht, die mitallem ihrem Dunkel wie mit ihrem Glänze hier die Welt wiedie Phantasie des Menschen füllt und schmückt. Hier verschwindetgleichsam der Tag mit all seinem begleitenden bunten Gefolgeganz, und erscheint nur auf eine Zeitlang als das größte Meteorder langen Nacht.

Auf ähnliche Art wiederholt sich dasselbe kosmische Gesetzauf der Westhälfte des Erdballs, im weiten oceanischen Ge-biete der Neuen Welt, nur wieder ganz anders gestaltet, weildort die Atmosphäre aus welcher hier auf unsrer Ost-Halbeder Erde, der continentalen, wegen ihrer größern Trockenheit dieschärfste Characteristik hervorgehen mußte über dem weiternGebiete der Oceane schwebend auch mehr mit Wassertheilen, we-nigstens zunächst an der Erdrinde, geschwängert ist. Das Wasserals Element auf der Erde verwischt aber überall die Individua-lität, und so treten dort schon im Ganzen der Erdformen nichtnur minder scharfe, sondern auch weniger Gegensätze hervor, unddie ganze Masse des Continents fällt dort mehr in eine uniformeGruppe zusammen. Deren Wesen kann jedoch nur erst später ausdem Gegensatze mit der Alten Welt vollkommen klar werden, weildiese so früh und so gewaltig mit ihrer geschaffenen Cultur indas Getriebe der Natur dort theils hemmend, theils beschleuni-gend eingegriffen hat.

Indem wir nun mit der Betrachtung der Individualität die-ser Erdtheile, oder der Aussuchung ihrer Grundgestaltung begin-nen und zu ihrer eben dadurch von der Natur selbst ausgespro-chenen Stellung zur Welt fortschreiten, wird es dem Gange dernatürlichsten Entfaltung mannichfacher Verhältnisse am gemäßestensein, von dem einförmigem zum vielfachem überzugehen. Durchdiesen Gang fällt in die Natur, zuweilen selbst in ihre verbor-gensten Labyrinthe, dem Forscher ein erleuchtender Lichtstrahl.

Wie in der Betrachtung der unorganischen Natur erst das