einer allgemeinen vergleichenden Geographie. i3
immer bedeutende Abcheilung sich nachweisen lassen wird. Nichtnur diese Länder und ihr Himmel, ihre Gewächse und ihre Thieresagen dieses; auch die Stimmen aller Völker drücken es im Gangihrer Culturgeschichte, in ihren Gesängen, Religionen, Philosophien,Sprachen aus.
Sehr wahr sagt ein geistreicher Mann: „Die orientalischenund occidcntalischen Völker sind von einander abgewendet, jenemit dem Antlitz gegen den Aufgang, gegen Morgen, diese mitdem Antlitz gegen den Niedergang, gegen Abend; jene den un-vergänglichen Sitz uralter Vergangenheit treu bewahrend, diesedurch beständigen Wechsel aller Formen des Daseins eine bedeu-tungsvolle Zukunft suchend."
Aber zwischen beiden, auf der Südseite, dem hellen Mittagzugekehrt, liegt Afrika, der Sudan der Erde, über welchem dieSonne gleichmäßig vom Anfang bis zum Ende des Jahres hin-schwebt, ohne so vorherrschend mit jenen wechselnden Wundern desAbend- und Morgenlandes, ohne mit der überwiegend sich einan-der widerstreitenden Mannichfaltigkcit der Jahreswechsel vomFrühling zum Winter, ohne mit dem contrastirenden Steigen undVersinken aus Vergangenheit in Zukunft, weder die Natur zuerfüllen, noch die menschliche Phantasie auf diese Weise, durchdie Wirkung der Gegensätze in der Natur und im Menschen, zurAhnung einer Ewigkeit und einer höhern Welt aufzuregen undzu erschüttern.
Wenn bei uns schon der freundliche Morgen - und Abend-gruß jedem einzelnen, auch dem ermüdetstcn Lcbcnspilger, einHerzensbedürfnis) ist, das um die gleichförmige, hoffnungsarmeMittagsstunde jeden Tag schon wieder verschwindet, so scheinenaus ähnlichem Grunde alle Völker des Sudans , in dem ruhigenBesitze des hellen Mittags, nur an die Gegenwart gefesselt zusein, die keine Sage des grauen Alterthums verschönert, keineSorge für die Zukunft quält und keine Hoffnung für sie auf denFlügeln der Phantasie in die Unendlichkeit trägt.
Dort aber, wo kein täglicher Auf- und Niedergang ist, wonicht, wie da im Süden, ein Heller, warmer Mittag in behag-