Einleitung zu dem Versuche
aufgenommen sein dürfen, ohne die Nachweisung, woher ein je-des genommen und auf welcher Autorität seine Haltbarkeit zumGanzen beruhe.
Hierdurch nur allein wird es möglich werden, nach und nachdie mehr und minder schadhaften Glieder, deren Zahl größer ist,als wir uns träumen lassen, ohne Zerstörung des Uebrigcn, durchkräftigere zu ersetzen, und die Kette für allen Andrang nndnrch-brechbar zu einem unveräußerlichen Eigenthum der Wissenschaft zumacheu, oder durch Critik den Mangel ihres innern Zusammen-halts aufzudecken, und so die ganze Kette ebenfalls zum Vortheilder Wissenschaft aufzulösen, und hierauf bezieht sich der Spruch,welchen diese Arbeit an der Stirne trägt.
Nicht selten wird es, wie oben schon angedeutet wurde, wich-tig sein, bei zweifelhaften oder bestrittenen Puncten alle bedeuten-den Zeugnisse anzuführen, um des Ursprungs herrschender Ansich-ten willen. Denn so viele Irrthümer sich in den geographischenWissenschaften auch eingeschlichen haben mögen, so daß der mitder Wahrheit Aufgewachsene sich zuweilen höchlich über die ge-lehrten Fabeln zu verwundern hätte — wie dies einst den kennt-nißreichen Habessinischeu Abba Gregorius in einer hochgelahrtenVersammlung in dem Herzen von Deutschland zum lauten Lachenund zu dem bedenklichen Wunsche brachte, daß doch lieber garnichts gedruckt werden möchte als der größten Zahl nach (überseiu Vaterland meinte er) nur Lügen — so sind dies in der Thatdoch nur äußerst selten reine Unwahrheiten.
Meistens sind es nur ungeschickte oder unvollständige Mit-theilungen einseitiger, von einem speciellen oder beengten Stand-puncte ausgegangener und eben so oft wiederum von der Gegen-parthei falsch verstandener und schiefbenutztcr Ansichten. Diesekönnen alle subjectiv im hohen Grade den Stempel der Wahr-haftigkeit tragen, und daher reiche Quellen für dieselbe sein, dür-fen aber nur nicht mit dem Maaßstabe objectiver Realität ge-messen werden. Darum ist es nicht gleichgültig zu wissen, ob esTacitus ist, der das Land der Germanen schildert, Aeneas Syl-vius und Petrarca, oder ob ein A. Reißncr und G. v. Frunds-