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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Einleitung zu dem Versuche

D'Anville , Arowsmitl), Lapie, Sotzmann, Mannert, Streit, Nei-mann, Reichard, Schmidt, Klöden und Anderer, welche durchastronomische und historische Forschungen angeordnet und mitbewundernswürdigem kritischem Fleiß, aber ohne eigene Natur-anschauung des Landes, das sie darstellen, ausgeführt werdenkonnten, haben ihre anderweitigen, hier nicht zu würdigenden Ver-dienste, aber für die physicalische Erdkunde müssen sie als abge-leitete Quellen nur mit Vorsicht benutzt, und das, was sie dar-stellen, nur als symbolisch, oft hieroglyphisch angedeutet gedachtwerden, wie dieses denn zuerst in Hinsicht des ganzen Landkarten-wesens überhaupt, in Beziehung der daraus hervorzugehendenErkenntniß, vortrefflich von GutSmuths ausgesprochen ist.

Wenn in der Zeichnung der Welt- und Länderkartcn dieLandesnatur dargestellt wird, so sollte dies immer nur mit Be-wußtsein der bestimmten Hypothese geschehen, wie dies absichtlichvon einem Buache, Gatterer, v. Zimmermann, Fr. Schulz, Rei-chard, und nicht ohne Nutzen für die Wissenschaft, durchgeführt undvon Zcune nach allen Seiten beleuchtet ist. Aber durch das inseiner Thätigkeit ohne Bewußtsein, nur blind folgende Heer derNachahmer geht auch dieser Nutzen wieder verloren, und es trittstatt des Bildes der Natur ein Zerrbild hervor, welches die phy-sicalische Erdkunde eben so als Quelle verwerfen sollte, wie diePhysiognomik schon unrichtig gezeichnete Schattenrisse keiner Auf-merksamkeit würdig hält.

Aber auch die besten Landkarten verhalten sich zum Studiumder allgemeinen vergleichenden Erdkunde, wie die Präparaten-sammlungen zur Physiologie, die, wie der Meister es lehrt, fürsie von unschätzbarem Werthe sind, so lange der Physiologe inihrem aufgetrockneten Bau, in den mit Wachs gleichzeitig ausge-spritzten Herzkammern, in den getrennten Theilen nur die lebloseNatur erblickt. Wollte der Geograph seinen Landkartenschatz beider Demonstration seiner ganzen Wissenschaft als erste Quelle ge-brauchen, wie dies bei so vielen geographischen Systemen wirklichgeschehen: so mußte er in noch größere Irrthümer gerathen, alsder Physiologe, der in der Anatomie der Leiche den lebendigen