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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Einleitung zu dcm Versuche

sich ansetzende Vegetation. Pallas erinnerte an die Flora derSalzsteppcn, A. v. Humboldt an die des Sandbodens und an dieisolirt und in Heerden wuchernden Gewächse. Ein ganz neuesFeld für die Wurzel aller Vegetation wurde durch das Studiumder Cryptogamen in ihrem Verhältniß zum Ganzen aufgeschlossen,und dadurch der Norden der Erde näher characterisirt. In demnach dem Gesetz der Centralattraction sich ansetzenden, und durchdie Oberfläche und den Aggregatzustand des Substrats bedingtenVermögen der Lichenen, die im Trocknen auf der untersten Stufeder vegetativen Kraft zu stehen scheinen, fand Hausmann einenersten Grund der Begünstigung der organischen durch die unor-ganischen, und der Zerstörung der unorganischen durch die orga-nischen Bildungen auf. Neeb zeigte, wie die Anziehungskraftgegen den Nahrungsstoff bei den Gewächsen den Mangel will-kuhrlicher Bewegung in ihrem vegetativen Leben ersetze. DurchFlörke's angestellte Vergleichungen der cryptogamischen Floren vonKamtschatka und Europa ergab sich die Einförmigkeit derselben inder Nordhalbkugel, und durch die Vergleichnng mit der cryptoga-mischen Flora von der Insel Bvurbon und Jsle de France, dieEinförmigkeit jener mit der Höhenflora dieser Inseln, und so einemerkwürdige Ausnahme von der übrigen, höher organisirten Ve-getationswclt, nämlich Einförmigkeit der Nord- und Süd-Halb-kugel der Erde in ihren cryptogamischen Gewächsen, die durch ihrein derselben Species so merkwürdigen polymorpben Bildungen,nach einer andern Richtung hin, doch wieder die unendliche Man-nigfaltigkeit in der Natur auch in ihrem geographischen Vorkom-men beweisen.

t) Die Thierwelt.

Die geographischen Verhältnisse der Thiere waren schon srü-herhin im Allgemeinen aufgefunden und zur Kenntniß gebracht.Sie lagen in ihren wichtigsten schädlichsten und nützlichsten Thei-len dem Menschen näher, waren in ihren größeren Formen über-schaulicher, und wurden, weil Zoologie gleichsam in der Mitte derNaturgeschichte liegt, in ihren größten und merkwürdigsten Zügen