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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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über die festen Formen der Erdrinde.

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zurückführen. Bis dabin erlauben wir uns, in der lebendigstenUeberzeugung unserer eignen Unwissenheit und bisherigen Blind-heit in dem Reiche der gesammten geographischen Plastik unsersPlaneten, uns erst in den Reichthum seiner Formen und ihrerWirksamkeiten zu versenken, um aus dem Besondern und der Ver-glcichnng des Besondern uns wieder zur Uebersicht des Gesamm-ten und wo möglich einst zu einer wissenschaftlichen Darstellungderselben zu erheben, die bis jetzt, ohne anderweitige Vorarbeiten,sehr einseitiges Streben bleiben müßte, und nicht in die historischeDarlegnng unsers Gegenstandes gehört.

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Die strömenden Wasser.

Die strömenden Wasser bahnen sich überall nach denselbenNaturgesetzen ihre Wege, von den höhern in die tiefern Länder;die Wirkungen ihrer Falllhätigkeit können aber nur in einer großenMannigfaltigkeit erscheinen. Diese muß allen den Combinationenentsprechen, welche eines Theils aus dem Wasserquantum und derZeit seiner Einwirkung auf den Erdboden, und andern Theils ausder Zahl und Art der ihm entgegentretenden Erdstellen hervor-gehen. In der auf diese Weise entspringenden unerschöpflichenViclartigkeit des Wasscrlaufes liegt eine der wichtigsten Bedin-gungen zur, dem Raume uach allgemeinen, Entwickelung der un-organisirten Erdoberfläche zu derjenigen localisirten Vielseitigkeitund Einheit, welche wir, in ihrem überschaulichen Zusammenhange,Landschaft nennen, die immer und überall einen geheimen Zauberüber deu Menschen ausüben wird, der in ihrem Kreise sich be-wegt, und überhaupt die räumliche Basis alles organischenLebens ist.

Zwar sind wir daran gewöhnt, die Strombildung, die wirhier insbesondre betrachten, uns als einen überall gleichen undgleichartig vorgerückten Zustand aller strömenden Wasser zu den-ken, nnd nicht als eine fortschreitende Entwickelung desselben, weilwir das ganze Erdenrund überhaupt als ein überall Gleichför-miges zu betrachten Pflegen, wie ein menschliches Werk etwa, von