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Ueber das historische Element
Verhältnisse, auch noch die Kunst der Graphik für die gleichrich-tige Eintragung der Zeitverhältnisse erfinden, in denen diese Räumewirklich erreicht und durchschnitten werden können und gegenseitigin den wahrhaft lebendigen Verkehr treten, sei es durch Physika-lische oder beseelte Bewegungen. Oder K>ir müßten es verstehen,die Combination von beiden zu einem Totalbilde zu vereinen,etwa durch mehrere durchsichtige, übereinander hingleitende, hinund her verschiebbare Globularscheiben, oder durch partikuläreOrtsverrückungen, oder durch andere Hülfsmittel.
Wie würden aber dann die einen Räume schwinden, die an-dern sich ausdehnen, die Höhen sinken, die Ucbergänge sich mehren;Europa's Gestalt würde noch, in manchen Theilen wenigstens,am mehrsten sich gleich bleiben, und ältere wie neuere Zeit- undRaumverhältnisse sich decken. Aber in Asien würde schon die süd-liche Gestadewelt viel zu sehr sich zusammenziehen, um noch dasin lauter Hemmung zurückgesunkene Jnner-Asien mit Gestadelinienganz zu umgrenzen, und so würde fast auf allen Theilen derPlanetenrinde die Inkongruenz beider Verhältnisse die seltsamstenZerrbilder der positiven leblosen Formen hervorbringen. DieErinnerung an solche Verschiebungen und Zerrbilder rufen wirgegenwärtig aber nur darum hervor, weil sie durch den Gegensatzeben deutlich zeigen, welchen Verdrehungen unsere Begriffsweltunter dem täuschenden Schein von positiven Wahrheiten wirklichsich hingiebt und unterworfen ist, wenn wir in den tellurischenVerhältnissen, wie bisher, nur das Leblose statt des Lebendigenergreifen und das historische Element neben der geographischenWissenschaft unbeachtet liegen lassen, daraus ganz verbannen, oderauch etwas nur theilweise hie und da gelten lassen, wo es vondem einen oder dem andern Autor zufällig einmal besprochen seinmöchte, ohne es jedoch in die Systematik dieser Wissenschaft alsein integrirendes Element mit aufzunehmen.
Wie irrig aber würden noch die Vorstellungen von unseremSonnensysteme geblieben sein, wenn wir dabei nur die sich gleichbleibenden Sonnenfernen und Planetenabstände, wie früher, ohnedie Abweichungen der Keplerschen Gesetze und Newtonischen At-