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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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181
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in der geographischen Wissenschaft.

tractionstheorien hätten beachten wollen, welche überall die Pertur-bationen der Planetenbahnen oder das harmonische System ihrerwahren Umlaufszciten und Ränme bedingten. Wie jene Attrac-tionsgesetze und Verhältnisse auf die Bahuen der Planeten unsersSonnensystems einwirken, ebenso bedingt auch der Gang der histo-risch-erfüllten Zeiten durch Anziehung und Abstoßung die Pertur-bationen der Räume unsers Erdsysteins und ihre Functionen.

Daß jenes.Zerrbild des durch eigenthümlichen Organismusbelebten Erdballs aber eben jene blos mathematische Seite, dieleblose Landkartenansicht sein würde, wenn sie sich vermessenwollte, als inhaltvolles Lebensbild der Anschauung zu dienen,dies wird noch wenig geahnet und tritt auf dem Markte unsererTageSliteratur kaum im Bewußtsein hervor.

AlleS Gesagte möchte wol hinreichend scheinen, um die bloszufällige historische Beimischung von dem historischen(nothwendigen) Elemente der geographischen Wissenschaft genauzu unterscheiden, welches nicht müßig, sondern gestaltend, überallals mitbedingender Grund der Erscheinungen auftritt.

ES möchte zugleich damit dargethan sein, daß es eine geogra-phische Systematik giebt, und daß in ihrem Gegenstande, wie beiallen Organismen, der Theil nur aus dem lebendigen Ganzenbegriffen werden kann, ohne welches jede Theilbetrachtung unvoll-kommen, einseitig, unwissenschaftlich bleibt.

Diese wissenschaftliche Thcilbetrachtnng der Länderräume, alswirkliche Theile oder zusammengehörige Glieder eines planetarischenGanzen, sei sie physikalisch, ethnographisch, ethisch-politisch, würdedie Aufgabe der Specialgeographie sein, die wir noch nicht be-sitzen, und erst in diese beiden Zweige der allgemeinen und derSpecial-Beschreibungen könnte die Staatengeographie wahrhaftwissenschaftlich eingreifen.