Ueber eine geographische Productenkunde.
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Hindu zu glauben, oder, nach so langer Ueberlieferung mathema-tischer Wahrheiten aus der Urzeit, das Entzücken der ersten Ent-decker der arithmetischen Zahlenverhältnisse zu theilen.
Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, daß ein so tieferEindruck des planetarischen Natursystems in seiner räumlich loca-lisirten Anordnung, wie auf die jugendliche Entwicklung jedes ein-zelnen Menschen, so noch weit mehr auf die ganzer Völkerschaften,auch abgesehen von allen andern begleitenden Wirkungen, nichtohne den wichtigsten Einfluß auf gemüthliche und geistige Umge-staltung des innern Menschen wie auf dessen individualisirte Er-scheinung nach außen, in den verschiedenen Regionen des Erdballs,durch die Jahrhunderte der Menschengeschichte hindurch, gebliebensei. Hierin liegt also, außer der Geschlechtsabstammung, einemitwirkende Bedingung für die Entwicklung der Völkerindividuali-tät durch die Naturumgebung, welche sich als unfreiwillige Lebens-gewöhnung dem Gemüthe des Menschen unverkcnnbmr einprägt,zugleich aber auch dasselbe wieder zu einer dem Locale stets ge-mäßen geistigen Thätigkeit und Production anregt.
Der nomadisirende Araber, mit der umherschweifenden Phan-tasie, verdankt wol seine freiere, ungebundene, gestaltlose Ge-danken- und Märchenwelt, mit der er sich die leeren, unermeßlichenRäume seines Bodens, wie seines ewig klaren, wolkenlosen Him-mels auszufüllen strebt, eben so sehr der Natur seiner Heimath,in welcher sein feurig-thätiger Geist und Leib sich Alles erst er-jagen und erschaffen muß, wie der in sich gekehrte, festgesiedelte,aber in die üppigste Natur gleichsam verwachsene Hindu, diesseitund jenseit deS Ganges , die seine mit dem phantastisch-theoso-phischen Hervorsprosscn der Götter aus Ranken, Blumen, Bäumenund der Transmigration der Menschenseelen in Thierleiber —jener alles überwuchernden Fülle wunderbarer und colossaler Pflan-zen- und Thierformcn, jeder Stelle seiner Heimath, in allen Artender reizendsten und schrcckendsten Gestalten, die dem ganzen Völ-kergeschlechte, das sich in dieser Umgebung bewegt, ohne sich übersie erheben zu können, die Unterthänigkeit des Menschen unter dieNaturgewalt, sei es die der Berge, Gewächse, Thiere, oder gött-