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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber eine geographische Productenkunde. t9l

summarisch aufzuzählen, und ihr Vorkommen wie ihre Brauchbar-keit und Anwendung ganz zufällig aneinander zu reiben, dies wirdihr, auch abgesehen von der unnützesten Weitläuftigkeit, noch we-niger zu einem wissenschaftlichen Zusammenhange verhelfen. Wennjene erste constructive Methodik immer weit hinter der Naturfüllezurückbleiben muß, und von unvollkommenen, allgemeinsten Vor-aussetzungen zu irrigen oder doch unbefriedigenden Resultaten imBesondern gelangt, denen die Thatsachen nur in verrenkter Formanzupassen sind, um nicht zu inconsequent zu erscheinen, so ist diezweite, die Aggregat-Lehre, bloßes Gedächtnißwerk; ihr reellerInhalt bleibt verborgen, unter sich unverbunden, nirgends trittUrsache und Bedingung der Erscheinung hervor; es ist keine ge-genseitige Vergleichung, kein Fortschritt zur Steigerung des In-halts, keine Befruchtung des Vorhergehenden für das Folgendemöglich. Es fehlt ihr selbst die Einsicht in die Natur des Gegen-standes, und dessen Verhältniß tritt weder zu der genannten Erd-localität und ihrer Physik, noch zu den Bewohnern und ihremBedürfniß, noch zu dem System des Erdganzen überhaupt hervor.Auf jenem kühnen, aber doch geistigern Wege wird, nach vielenVcrirrungen, doch nach und nach durch Kritik eine Wahrheit nachder andern gewonnen werden können; auf diesem wird man nurauf demselben Punkte materieller Beschränktheit stehen bleiben,ohne, was auch bisher der Fall war, nur im Geringsten vorwärtszu schreiten, und nur das nächste geringere Bedürfniß des Wissensdadurch allenfalls befriedigt zu haben meinen.

Das rastlose Bemühen der neuern Zeit, jene Mängel durchein geordnetes und möglichst vollständiges systematisches Verzeich-nis) der Naturproducte jedes Landes zu ersetzen, und Mineralogien,Floren, Fannen zu sammeln, hat, streng durchgeführt, sein großesVerdienst. Denn wie erwünscht muß nicht die genaueste Kenntnißdes mineralogischen Reichthumes eines Landstrichs und die Er-forschung seiner Flora oder Fauna sein! Aber diese ist Gegen-stand des Naturstudiums, z. B. des speciellen Zweiges der Bota-nik, der mineralogischen Topographie u. s. w. in ihrem systematischenZusammenhange.