Ueber eine geographische Productenkundc.
Abgesehen von der Unmöglichkeit, nach demselben Maaßstabedie Naturprodukte, wenn auch nur die wichtigsten, aller Länderder Erde zusammenzustellen, was nur der Gegenstand zahlreicherbesonderer Werke sein könnte, so würden dabei, auch auf dasmäßigste Quantum beschränkt, doch überflüssige Wiederholungennicht zu vermeiden sein, und das Hauptbedürfniß der geographi-schen Wissenschaft, das Verhältniß des Raumes, den die Natur-producte einnehmen, würde nicht anders als nur im Einzelnen,immer nur in Fragmenten und ohne nähern Zusammenhang untersich und mit dem Ganzen, berücksichtigt sein. Allerdings ließe sichvieles geographisch Lehrreiche in dieses naturhistorische Netz ein-tragen ; aber dieses würde immer nur Zufälliges sein, da die ver-bindende Anordnung der zahllosen Details das Natursystem wäre,nicht aber das geographische Element, nämlich das Räumliche derErscheinung, welches von jenem, als das ordnende, beherrschtbliebe und daher selbst nirgends in seinem eignen Wesen hervor-treten könnte.
Die neuere Zeit hat den Mängeln früherer Sorglosigkeit, oderdem bloßen Pedantismus systematischer Summirungen der Natur-productionen in einigen lehrreichern geographischen Arbeiten da-durch zu begegnen gesucht, daß sie, statt der Naturgeschichte, diePhysik, zumal die Climatik zu Hülfe rief, um durch ihren Beistandden unendlichen Reichthum der Naturprodukte in ihrer Verbreitungzu ordnen. Unstreitig führt dieser Weg schon näher zum Ziele,da die letztere, die Climatik, selbst nur localisirt, in bestimmtentellurischen Regionen sichtbare Gestalt gewinnt, und auch in derPhysik schon aus den allgemeinsten gewisse, speciell angewandteLehren von den Naturkräfteu sich zu tellurisch darstellbaren Reihen,Regeln und Gesetzen erhoben haben, die für gewisse Puncte, Linienund Regionen der Erde allgemeinere Gültigkeit erlangen konnten.
Solche Lehren sind die von den astronomischen Breiten undLängen, den absoluten und relativen Höhen, von den Tempera-turen der Erdrinde, der Atmospäre und der Oceane, die von denJahreszeiten, den Isothermen, Jsochimencn und Jsothereu, vonden herrschenden und variabeln Winden, den hygromctrischen Er-