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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber eine geographische Producienkundc.

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scheinungen, dem atmosphärischen Niederschlage, von dem oceani-schen oder Küsten- und Continental-Clima u. a. m. Durch siehat die physikalische Geographie in kürzester Zeit die außerordent-lichsten Fortschritte gemacht und wesentlich dazu beigetragen, derallgemeinen Erdkunde erst einen mehr innerlichen Zusammenhangzu geben. Sie sind auch ungcmein fruchtbar für eine systematischeProductenkunde geworden. Indem jene Lehren thatsächlich gewisseNormalverhältnisse bezeichnen, durch welche die Existenz gewisserOrganismen bedingt sein wird, so muß deren Combination auchgewisse Verbreitungszonen dieser Organismen im allgemeinen be-zeichnen, auf welche ihre Eristenz nur angewiesen sein kann.

Aber bis jetzt sind doch nur hie und da einzelne dieser Physi-kalischen Gesetze zu Hülfe genommen, um dieses und jenes Vor-kommen der Naturproductc daraus zu erläutern. Es haben sichdaraus vorzüglich sür die Vegetation, die vom Boden und Clima amabhängigsten ist, gewisse Regionen oder doch Limitationen ergeben,innerhalb welcher das Leben gewisser Gewächsklassen möglich, odervon denen dieses Leben zurückgewiesen wird. Noch ist uns aberkein Versuch bekannt, den ganzen Verein dieser physikalischen Ver-hältnisse in seinem bedingenden Einflüsse auf die Vertheilung undGruppirung der Naturproductc überhaupt nachzuweisen.

Nur in Beziehung auf Clima und Vegetation von Europa hatte Schouws Naturgemälde des genannten Erdtbeils diesen Ge-genstand wissenschaftlich zu ordnen versucht und, nach dem Vor-gange früherer Ermittelungen durch Andere, daselbst z. B. die vierHauptgürtel vegetativer Regionen wildwachsender Bäume durchThatsachen nachgewiesen: der Kiefer und Birke, der Buche undEiche, der Kastanie, der immergrünen Laubhölzcr und die Haupt-gürtel der Culturen des Getraides, des Weinstocks und desOelbaums.

Solche Vegetationsgürtel wildwachsender Pflanzen und Cul-turgewächse, nebst den Hauptrcprascntanten dieser vegetativen Zo-nen, welche man so passend die Climamarken genannt hatte, ließensich über alle Gebiete der Erde verfolgen, wodurch die sonst un-übersehbaren Massen und Arten sich in tellnrisch geordnete Regionen,

Ritter Beiträge. N