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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber eine geographische Productenkunde.

teristik nur aus der geognostischcn Beschaffenheit der Erdrinde,oder der gesetzmäßigen Verthcilung der Erbmassen nach ihreninnern und äußern Constructionsvcrhältnisscn hervorgeht, so sinddiese, wie die Physik und Climatik für die lebenden Organismen,das Regulativ sür die Vcrbreitungssphärcn der aufzuführendenMineralkörper. Die plastischen Formen der Erdräume bieten dielocalen Modifikationen ihrer individuellen Erscheinungen und ihrerVerbreitungsverhältnisse dar, nach den Quartieren und Lineamen-ten, welche durch die geognostischen Formationen bestimmt sind.

Aber eben nur das Resultat dieser Gesetzmäßigkeit, oder derAbweichungen der räumlichen Anordnungsweise unorganischer Na-turkörper in ihren relativ wichtigsten Productionen, nicht dieTheorie oder die Wissenschaft der Geognosie selbst, noch wenigerdie systematische Mineralogie in ihren vollständigen Abrissen undAuszügen sind, so wenig als die der Floren und Faunen nachder Systemfolge, oder die der Climatologicn und Physiken, wiedies doch in der Regel mehr oder weniger, wenn auch nur ober-flächlich, geschieht, den geographischen Compcndicn einzuverleiben.

Irren wir uns nicht, so hätten wir auf die angedeutete Weise,wenn sie nur auch schon in Ausübung gebracht wäre, schon alleAnforderungen, welche man bisher an eine allgemeine Producten-kunde, als einen Theil der Erdkunde, zu machen sich für berech-tigt hielt, weit überboten, und wirklich finden wir noch in keinemLehrbuche oder Handbnche diesen angewandten Theil der geogra-phischen Wissenschaft, oder auch nur einen Versuch, der einiger-maßen diesen Andeutungen entspräche. Wo Einzelnes dafür ge-than, da ist dieses ausschließlich ein Vorbehalt der physikalischenGeographie, oder zum speciellen Nutzen anderer Disciplinen ge-schehen.

Dennoch möchte bei genauerer Betrachtung sich ergeben, daßmit jener Anordnung nach physikalischen Regulativen noch keines-wegs die Forderungen, welche an eine Productenkunde überhaupt,als Zweig der Erdkunde, zu machen sind, erschöpft werden. Aufjenem angedeuteten Wege sind überall nur erst die negirendcnSchranken der Existenz der Naturkörpcr gesucht; aber der specifische