Ueber eine geographische Productenkunde. 499
Charakter, der sie für gewisse Erdräume fesselte und nur auf dieseanwies, ist darum noch nicht ermittelt; ihr positives Leben, der Mit-telpunkt der Naturchätigkeit in der reichsten localen Entfaltung derNaturprodukte, darum noch keineswegs gefunden. Den allgemein-sten Verhältnissen einer auf jene Weise geordneten Productenkundemüßten die Naturkörpcr, in ihren sprechenden Individualitäten,erst Ton, Klang, Farbe und Licht, Form und Gestalt geben, umjenes Productionensvstem zur wahren Anschauung zu bringen.
Das eigentliche naturhistorischc Element wäre in jener An-ordnung noch kaum zur Sprache gekommen, welches eben in derIndividualität jedes für sich gesondert zu betrachtenden Natur-körpers, nach Gattung, Species, Individuum, besteht, nach dernur ihm eigenthümlichen äußern und innern Art seiner Eristenzund demnach auch seines Vorkommens, seiner natürlichen Ver-breitungsweise, welche darum von jedweder andern eine individuellverschiedenartige sein wird, falls auch Vergesellschaftungen statt-finden, die aber nichts anderes als nur durcheinandergreifcndesein werden.
Es müßte daher die individuelle Verbreitungssphäre jederbesondern Art der Naturkörper für sich erst ermittelt sein, ehe dieder ganzen Gattung hervortreten könnte, deren verschiedene Artenöfter zwar in denselben Erdlocalitäten gesellschaftlich, aber vielleichtnoch häufiger iu verschiedenen Erdlocalitäten stellvertretend erschei-nen. So unendlich mannichfach die physikalischen Verhältnisse derNaturkräfte in Conflict mit den Verhältnissen der Formen undStellungen des Erdkörpers treten, und so unendliche Combina-tionen von Erscheinungen dadurch iu den natürlichen, tellurischenQuartieren des Planeten hervorgerufen werden, so unendlich ver-schiedenartig, wenn auch vielfach verwandt und in einander über-greifend, werden auch die ihnen entsprechenden Organisationen derThier- und Pflanzenwelt sein.
Nicht die naturhistorische Lehre dieser Organisationen, sondernnur ihre Ansiedlungsweise an eine bestimmte Heimath und dieErforschung des Naumverhältnisses zu dieser Heimath, in denüppigsten Culminationen ihrer Entwicklung, wo sie am gedeihlich-