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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Zgg Ueber eine geographische Productenkunde.

sten den höchsten Grad der Vollkommenheit, oder der Mengenach die größte Zahl erreichen, wo sie als herrschende Formenhervortreten, bis zn ihren stufenweisen Verkümmerungen oder Ab-artungen und dem Verschwinden an den Grenzen dieser natür-lichen Verbreitungssphären, wird der Gegenstand der geographischenDarlegung in der Productenkunde sein müssen. Aber nicht blosdiese primitive Heimath und das natürliche Vorkommen der Na-turkörper wird es hier genügen kennen zu lernen, da ja ihregegenwärtige Verbrcitungsweise eine ganz andere ist, als ihreursprüngliche war. Denn bald wurde sie erweitert oder auchmehr zusammengedrängt, beides durch Naturkräfte oder Menschen-hand, die zerstörend oder gedeihlich auf sie einwirkten, wie durchWanderung oder Jagd, Cultur oder Ausrottung, Verpflanzung,Wandel, Verkehr oder sonstige Entführung.

Die individuelle Untcrsnchnng des Vorkommens der einzelnenNaturkörper in einer allgemeinen Productenkunde der Erde, oderder Bemächtigung des naturhistorischen Elementes durch die geogra-phische Wissenschaft unter den Regulativen, welche die Lehren derPhysik, der Climatik, der Geognosie darbieten, hat demnach dreierleiHauptaufgaben zu lösen, um zu den Verbreitungsgcsetzen derselbenüber den Erdball zu gelangen.

Einmal hat sie die Naturheimath und ihre räumlicheSphäre von der Culmination oder der tellurischen Lebensmitteihres individuellsten Gedeihens, gewissermaßen ihrem Paradies-lebcn, ihrem Paradiesclima, womit in der Regel auch woldie primitive, die Ur-Heimath zusammenfallen wird, bis zuden Grenzen ihrer Verkümmerungen, ihrer Vereinzelungen, ihresvölligen Verschwindens überhaupt darzulegen, wie z. B. bei Ge-traidearten, Obstbäumen, Gewürzpflanzen u. s. w.

Zweitens hat sie die Region der natürlichen Wanderungender Naturkörper durch Vermittlung der Naturkräfte in andere alsdie primitiven Räume nachzuweisen, wodurch die Sphäre der Na-turheimath sich in eine Wanderungsheimath erweitert, .diedem Umfange nach sich nicht selten unendlich vervielfacht. Soz. B. die Wanderungen der Gcbirgstrümmer, der verschwemmbaren