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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber eine geographische Productenkunde. 201

Mineralien und Schuttmassen durch die Lüste und die Gewässer,oder der mit den fließenden Wassern, den Windbewegungen undMeeresströmungen, oder durch Thiere, Vögel u. s. w. entführtenPflanzen, Wurzeln, Sämereien, endlich der selbstwandernden undunsteten Thierfamilien über die Erde durch die Wasser und Lüfte.Es zeigen sich bei dieser Nachwcisung schon von selbst sehr vieleModificationen in den Erscheinungen der Naturkörper; es tretendadurch die verschiedenartigen Wanderungssphären der Na-turkörper in ihrem lebendigen Zusammenhange an das Lichthervor.

Es ist begreiflich, wie hier schon das rein naturhistorischeElement, welches in die geographische Betrachtung gezogen ist,durch das physikalische der bewegenden Naturkräste den mannich-fachsten Raumveränderungcn unterworfen wird, und wie somitschon die unbeseelte physische Bewegung die größten Umwandlun-gen in dem naturhistorischen Elemente, in Beziehung auf denplanetarischen Erbring, herbeigeführt haben muß, während sie alsTräger der beseelten Bewegungen, wie wir anderwärts gezeigthaben, dessen Naumverhältnisse durch die Zeit selbst umgestalteten.

Die dritte Aufgabe aber würde die Cultur-Sphäre zuerforschen haben, welche jene Naturkörper durch den Einfluß derMenschengeschichtc oder des historischen Elementes gewannen, in-dem sie aus ihrer Naturheimath oder ihrer natürlichen Wande-rungs-Sphäre, sei es in den verschiedensten Zeiten der Vergan-genheit oder Gegenwart, durch gesellige Wanderung mit Menschenund Völkern zu Land und zu Wasser, oder durch Verfolgung, wiedurch Uebersiedlung, Civilisation, Zucht, Cultur der verschiedenstenArt, im Fort- und Rückschritt oöcillircnd oder perpetuirlich undsich wiederholend, eine neue Culturheimath erhielten.

Wie unmittelbar sich die Lösung dieser Aufgabe an die Men-schen- und Völkergeschichtcn in ihren verschiedenen Civilisativns-und Culturverhältnissen anschließt, und recht eigentlich das Bandder Verknüpfung der Naturhistoric mit der Ethnographie durchVermittlung der Erdkunde bildet, ergiebt sich ohne weiteres vonselbst, ohne fruchtlos in das Gebiet jener verwandten Wissenschaften