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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber räumliche Anordnungen auf d. Außenseite des Erdballs u. s. w. 207

Symmetrie, wie sie in den Organismen der Pflanzen- und Thier-welt, in den individuellen Gestaltungen eines Unten und Oben,zwischen Basis und Krone der Gewächse, oder einer linken undrechten Seite in der Gesichts- und Körperbildung der Thiere undMenschen hervortritt, ist hier wahrzunehmen. Ja dieses völligunsymmetrische, scheinbar ganz regellose, schwierig mit einem undauch wol mit vielen wiederholten Blicken aufzufassende Ganzehat darin etwas Sinneverwirrendes, Unheimliches, dem nur dieNamengebung und Anderes zu Hülfe kommen muß, uin sich nichtsehr bald von einer blos gedankenlosen, chaotisch widrig erscheinen-den Ansicht abzuwenden. Man hat sich daher auch mehr zu denEinzelnhciten ihres Inhaltes, als an die Betrachtung ihres gan-zen zusammengehörigen Aeußern gehalten, und die compendiarischeGeographie hat daher ihren Hauptreichthum iu der Beschreibung derTheile gesucht. Sie ist daher auch nur elemcntarisch bei der Benen-nung und Beschreibung der Einzelnheiten geblieben, sie hat sichnicht zu den Verhältnissen und allgemeinen höhern Gesetzen erho-ben, durch welche erst die Wissenschaft zu einer Einheit, zu einemGanzen gelangen kann.

Obwol der Planet der Erde in seiner maaßlosen Uebersichtlich-keit ein ganz Anderes ist, als sein verjüngter Maaßstab im künst-lichen Globus, der nur schwache Lineamente von jenem auf seinerOberfläche und nur symbolisch andeuten kann, so sind wir dochgenöthigt gewesen, die Sprache, in der vom Erdball als von einemplanetarischen Ganzen die Rede ist, erst von seinem schwachenRepräsentanten uns zu abstrahiren. Denn auf diese Weise istauf dem Abbilde der größte Theil jener Terminologie für dieräumlichen Verhältnisse der Erde gewonnen, die doch eigentlichaus der Natur des Gegenstandes selbst und nicht aus dem schwa-chen Abbild hätte hervorgehen sollen. Da hier jedoch nur größten-theils das von außen her übcrhin gesponnene mathematische Netzmaaßgebend war, so ist die Sprachbestimmung sehr einseitig undunvollkommen geblieben, und noch heute in keinerlei Hinsicht aus-reichend und erschöpfend für die wissenschaftliche Betrachtung einesorganisirten Ganzen, weder für dessen horizontale Ausbreitung,