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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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sein kann: 1. Die durch Verbillign»«, gewisser Güter ersparten Ein-kommensteile verteilen sich auf die ungeheure Zahl aller anderenGüter, wodurch sie in den Preisen nicht merkbar hervortreten.2. Eine Verbilligung wird fast regelmäßig den Absatz steigern, so daßnicht die gesamten Ersparnisse der Abnehmer der Nachfrage nachanderen Gütern zugute kommen. 3. Das Aufkommen immer neuerBedürfnisse kompensiert einen großen Teil der durch Verbilligungmancher Güter ersparten Einkommen. 4. Kostenverbilligungenkommen in der Regel nicht gleich dem ganzen Gewerbe zugute,sondern bewirken vor allem Einkommensteigerungen einzelnerProduzenten und wirken dadurch preissteigernd. 5. Ein großerTeil solcher Einkonunensteigerungen, aber auch der Einkommen-ersparungen wird auch zur Kapitalbildung verwendet.

Diese Bemerkungen über die Arsachen von Preisveränderungenvon der Angebots- und der Nachfrageseite her mögen hier genügen.Mit den Einflüssen von der Geldseite her müssen wir uns ein-gehender beschäftigen. Wegen ihrer ungeheuren praktischen Be-deutung ist dies eine der wichtigsten Fragen der Geldlehre und derganzen Wirtschaftstheorie. Allerdings war sie wegen der stabilenGeldverhältnisse der meisten Staaten vor dem Weltkriege, die sichdiese zur Freude der Goldproduktionsländer auch genug habenkosten lassen, nicht sehr aktuell, weil man mangels theoretischerKlarheit über das Geldwesen und einseitig historisch gerichteterInteressen die Goldwährung als ein Ideal ansah. Inzwischen istdiese Frage aber durch die Umwälzungen des Weltkrieges wiederzu größter Bedeutung gelangt. Doch zeigt die Art, wie sie behandeltwird, deutlich den unvollkommenen Charakter, das völlige Ver-sagen der bisherigen Wirtschaftstheorie. Entsprechend der ganzenmaterialistischen Wirtschaftsauffassung und der mit ihr zusammen-hängenden ausschließlichen Betrachtung der realen Zahlungs-mittel hat man immer nur die Erscheinung der Geldvermeh-rung im engeren Sinne, der Vermehrung der realen Zahlungs-mittel betrachtet. Es ergibt sich aber aus unserer Auffassung desGeldes als abstrakter Nechnungseinheit, daß sich das Problemdarauf nicht beschränkt. Wenn die Einkommen und nicht dierealen Geldmengen die Güter kaufen, müssen Einkommens-»eränderungen auch unabhängig von diesen einen Ein-fluß auf die Preisgestaltung ausüben. Wir werdengleich davon sprechen.

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