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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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Aber selbst die Einwirkung einer Vermehrung der reabenGeldmenge auf die Preise ist noch sehr unvollkommen untersucht,infolge des Mangels jeder wirklichen Preistheorie. So hat mansich niemals die Frage vorgelegt, wodurch, auf welchemWege und in welcher Weise denn eine Vermehrung der Geld-menge zu Preissteigerungen führt. Regelmäßig stellt man es sicbso vor, als ob eine Vermehrung der Geldmenge mechanisch undautomatisch alsbald eine Erhöhung der Preise herbeiführte.Man hat empirisch festgestellt, daß eine starke Papiergeldvermeh-rung immer zu sehr ungünstigen wirtschaftlichen Zuständen, nament-lich zu starken Preissteigerungen führte, hat demgegenüber reinempirisch die Verknüpfung der Zahlungsmittel an ein nur beschränktvermehrbares Edelmetall als Schutzmittel gegen die schädliche Geld-vermehrung erkannt und hat ebenso rein empirisch die bekanntenDeckungsvorschristen für die papiernen Zahlungsmittel ge-troffen. Den tauschwirtschaftlichen Prozeß aber, durch den eineGeldvermehrung zu Preissteigerungen führt, hat man sich mangelseiner richtigen Wirtschaftstheorie niemals klar gemacht. DieQuantitätstheorie, von der wir ja schon gesprochen haben, wurdeals ein Naturgesetz betrachtet. Wie bei zwei kommunizierendenRöhren das Wasser in der einen steigt, wenn es in der anderenvermehrt wird, einen solchen natürlich-mechanischen Prozeß nahmman auch bei der Geldvermehrung und der dadurch herbeigeführtenPreissteigerung au. Man hielt es für ganz unnötig, noch näherdie tauschwirtschaftlichen Vorgänge zu untersuchen, durch die dasherbeigeführt wird. Das ist die Folge der mechanisch quantitativenAuffassung der wirtschaftlichen Vorgänge, die die Betrachtung derVeränderungen in den Güterquantitäten als Aufgabe der Volks-wirtschaftslehre ansieht. Man muß nur die neueste Verfeinerungder Quantitätstheorie in dem Buche Irving Fishers betrachten,der sich rühmt, in Europa und in Amerika gleichgroße Zustimmungerfahren zu haben, um zu erkennen, was noch im zwanzigsten Jahr-hundert an völlig in die Irre gehender ökonomischer Theorie mög-lich war.

Die Quantitätstheorie ist in der allgemeinen Fassung, daß,wenn die Geldmenge vermehrt wird, die Preise steigen, zwar nichtgerade falsch, aber sie ist gar keine Theorie, sie erklärt nichts.In Wahrheit gilt sie nur innerhalb der einzelnen Konsum-wirtschaft und besagt dann nichts weiter, als daß, je mehrGeld",68