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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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Geldsorteu im Betrage von über 500 Mark, alle sonstigen Zah-lungsmittel in ausländischer Währung im Betrage von über1000 Mark und alle Forderungen in Reichs- oder irgendeiner aus-ländischen Währung gegen Personen und Firmen in allen neutralenStaaten sowie in Bulgarien und der Türkei im Betrage von über5000 Mark.

Wie diese Vorschriften angewendet werden und wie die darauf-hin erfolgenden Maßregeln der Reichsbank wirken werden, stehtnoch dahin. Werden sie energisch angewendet, so ist, vorausgesetzt,daß auch das ganze militärische Zahlungswesen von ihnen erfaßtwird, auf dem Gebiete des Zahlungsverkehrs wohl alles ge-schehen, was geschehen kann. Am wichtigsten aber bleibt immerder Warenverkehr, und hier muß dafür gesorgt werden, daßauch noch längere Zeit über den Friedensschluß hinaus der gesamteExport und Import einheitlich überwacht und jeder unnötige Importvermieden wird, daß aber für unseren Export die höchstmöglichenPreise erzielt werden. Das Ganze ist also eine der wichtigsten Auf-gaben der Übergangswirtschaft, die natürlich heute schon vor-bereitet werden muß.

Zu geringe Beachtung ist bisher auch dem Effektenverkehrmit dem Auslande für die Frage der Hebung unserer Valuta ge-schenkt worden. Als zu Beginn des Krieges die deutsche Valutasank und gleichzeitig die ersten Kriegsanleihen herauskamen, wurdedas Kapitalistenpublikum veranlaßt, ausländische Werte zu ver-kaufen und dafür Kriegsanleihe zu zeichnen. So gingen großePosten Effekten ins Ausland, die man später mit sehr viel höheremRuhen hätte verkaufen können. Das war um so bedauerlicher, alsdieser Export in keiner Weise zur Äebung unserer Valuta benutztwurde. So wurde er verzettelt, während er nützlich für uns vorallem hätte sein können, wenn man ihn damals, neben einem Gold-export, als Grundlage für Kreditaufnahmen im Auslande be-nutzt hätte.

Lange geschah auch gar nichts, um die Anlage deutschenKapitals in ausländischen und im Auslande verbleibenden Effektenwirksam zu verhindern, und gegen die so bedenkliche Effektenabwan-dsrung deutscheil Kapitals, hinter der immer die Möglichkeit be-absichtigter Steuerhinterziehungen steht, ist noch heute nicht ge-nügend eingeschritten. Insbesondere bei einer Reise ins neutrale134