Wirtschaftstheorie, die auch das Geld nicht nur als sachlichesObjekt, sondern abstrakt auffaßt, ist das auch der Fall. Nachder materialistischen Wirtschaftsausfassung, die unter Geld immernur die realen Zahlungsmittel aus Metall oder Papier versteht,kann es aber in den Fällen nicht als Tauschmittel betrachtetwerden, in denen es selbst von beiden Seiten Zweck des Tauschesist, bei der Geldleihe. Qier wird Geld hingegeben nicht gegenWaren oder persönliche Leistungen, sondern gegen Rückgabewiederum von Geld. Cs ist der Fall des Kredits im engerenSinne. Nach unserer unten zu entwickelnden abstrakten Geld-auffassung vermittelt jedoch hier das „Geld", d. h. eine abstrakteallgemeine Rechnungseinheit, ebenso Amsä'tze in Forde-rungen und Schulden, die in Geld nur verrechnet werden, wiebei dem Amsatz von Waren und Leistungen. Man erkennt aberschon, daß in diesen Fällen des Kredits unter Geld offenbaretwas ganz anderes verstanden wird als die realen staatlichenoder vom Staat autorisierten Zahlungsmittel. In unserem theo-retischen System ist der Kredit, die Geldleihe, nichts anderes alseine besondere Art der Leihe überhaupt, die wiederum nur einebesondere Tauschform neben dem Verkauf von Sachgütern undpersönlichen Leistungen darstellt. Nach der heute herrschendenAuffassung aber ist Kredit ein Phänomen sui Asneris, das manniemals unter den übergeordneten Begriff der Leihe und in eingeschlossenes theoretisches System eingereiht hat, sondern das manüberwiegend juristisch definiert (siehe Ausführungen von Komorcynskiund noch neuestens von Schönitz, v. Schulze-Gaevernitz, Ä. v. Becke-rath u. a.). Näher kann darauf hier nicht eingegangen werden;es bleibt da für die ökonomische Theorie noch viel zu tun.
In den Lehrbüchern wird unter den Funktionen des Geldes,außer der als Tauschmittel, von der wir bisher gesprochen haben,und der als „Wertmaßstab", von der wir im folgenden nochsprechen, noch die als allgemeines Zahlungsmittel angeführt.Schon Äildebrand, „Die Theorie des Geldes", 1883,hat betont — ohne freilich daraus weitere Schlüsse zu ziehen,was eben mit der bisherigen Wirtschaststheorie nicht möglich war —,daß man zum Kaufen überhaupt kein „Geld" brauche, nur zumZahlen. Nur als Zahlungsmittel, nicht aber als Amsahmittelsei das Geld Gegenstand eines bestimmten Bedarfs. Doch istdie Grenze zwischen Zahlungs- und Amsatzmittel flüssig. Eine40