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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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mische Begründung ihrer Auffassung zu liefern versuchten, dabeidoch immer noch auf dem Boden der bisherigen quantitativ-materialistischen Wirtschaftslehre standen.

Wenn nun trotz der Beobachtung einer Papierwährung,deren Kaufkraft von dem Werte irgendeines Geldstoffes völliglosgelöst ist, ja, wie bei der österreichischen Papierwährung der sieb-ziger Jahre, über den Wert des Metallgeldes hinausgeht, so strengan der metallistischen Auffassung festgehalten wird, daß nur die ineinem wertgeschätzten Stoffe verkörperten oder auf solche lauten-den Zahlungsmittel Geld seien und bei Antersuchung der Geld-phänomen zu betrachten sind, so erhebt sich die Frage, worauf denndiese einschränkende Auffassung des Geldbegriffs beruht. Sieist, wie alle Irrtümer der Wirtschaftstheorie, die noch mit solcherZähigkeit festgehalten werden, aus der historischen Entwicklung derWissenschaft zu erklären. Zunächst entsprach sie überhaupt derquantitativ-materialistischen Auffassung, die die Wirtschaftslehre alseine Güterlehre ansah, Wirtschaft und Produktion, Wirtschaftund Technik verwechselt. Ferner aber ergab sie sich aus denpraktisch-politischen Bestrebungen, aus denen unsere Wissenschaftentstanden ist, aus dem Bestreben, denVolksreichtum" zu ver-mehren. Das führte zu den bekannten Erörterungen, worin derVolksreichtum bestehe, und zu der sogenanntenvolkswirtschaft-lichen Betrachtungsweise", welche den Tauschverkehr unter demNamenVolkswirtschaft" als eine Einheit, letzten Endes selbst alseine Wirtschaft auffaßt.*) Von diesem Standpunkte aus kam mandazu, die gesamte Gütermenge in der Volkswirtschaft der gesamtenGeldmenge gegenüberzustellen, die letztere kauft die erstere dasist die quantitativ-materialistische Wirtschaftsausfassung auf dieGeldlehre übertragen. Sie führt daher hier auch den NamenQuantitätstheorie.

Bei der Geldmenge war nur der Faktor Amlaufsgeschwindig-keit noch zu berücksichtigen. Dann glaubte man Gütermenge einer-seits, Geldmenge x Amlaufsgeschwindigkeit andererseits einanderwie die Seiten einer Gleichung gegenüberstellen zu können.

Diese Gegenüberstellung, in der eben die Quantitätstheoriebesteht, hatte Bedeutung vor allem für eine der Kernfragen derGeldtheorie, für die Frage nach den Veränderungen imWerte"

") Siehe dazu meine schon genannten Aussätze:Über Objekt, Wesenund Aufgaben der Wirtschaftswissenschaft ",

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