oder der „Kaufkraft" des Geldes. Denn von altersher hatteman die Erfahrung gemacht, daß, wenn die Menge des Geldesstark vermehrt wurde, die Kaufkraft der einzelnen Geldeinheit sank.In dieser allgemeinen Formulierung ist gegen die Quantitäts-theorie, abgesehen von der Unklarheit des Begriffs Kaufkraft, derman sich nicht bewußt wurde, auch nicht viel einzuwenden. IhreRichtigkeit ist gar zu oft durch die Erfahrungen, die man mitder Papiergeldwirtschaft gemacht hat, bestätigt worden. Aber sieist dann auch nichts weiter als eine Behauptung, für die einewirkliche Erklärung, die nur aus einer richtigen Erkenntnisvom Wesen des Geldes zu gewinnen ist, noch fehlt.
Die Quantitätstheorie wird aber meist noch in der schärferenFormulierung vertreten, daß die Kaufkraft der Geldeinheit pro-portional der Vermehrung der Geldmenge sinke, und die neueresogenannte „Verfeinerung" der Quantitätstheorie besteht vor allemdarin, daß man den sehr unklaren Faktor Amlaufsg eschwin-dig k ei t des Geldes schärfer zu fassen versucht hat. (Siehe dar-über im folgenden Kapitel.)
Wie man sie aber auch gefaßt hat, immer hat die Quantitäts-theorie drei grundlegende Fehler:
1. Der eine ist die ganze objektiv-materialistische Betrachtungs-weise, die dabei zugrunde gelegt ist, die Meinung, daß die Wirt-schaftstheorie es mit Güterquantitäten zu tun habe, daß manGüter- und Geldmenge einander gegenüberstellen könne. Nichtum Gütermengen handelt es sich in der Wirtschaft und daherauch im Tauschverkehr, sondern um Bedarfsbefriedigung.Dies nicht nur in dem Sinne, daß es nicht allein auf materielleGüter ankommt, vielmehr mit Geld auch Millionen immaterielleBedürfnisse befriedigt werden, die man überhaupt nicht quantitativerfassen kann. Sondern auch deswegen muß man dem Gelde dieBedürfnisse und nicht Gütermengen gegenüberstellen, weil eineErklärung der tauschwirtschaftlichen Vorgänge —denn darum und nicht um Quantitätsmessungen handelt es sichin der ökonomischen Theorie — ohne Zurückgehen auf die indivi-duellen Bedürfnisse überhaupt nicht möglich ist. Sie sind die Ur-sache aller wirtschaftlichen Vorgänge, und auf sie sind sie zurück-zuführen. Daran muß man auch in der Geldlehre festhalten,und daran sind alle bisherigen Theorien, auch die sogenanntensubjektiven, gescheitert. Es ist ein ungeheurer Irrtum, zu glauben,48