daß, wenn man Geldmenge und Gütermenge einander gegenüber-stellt, man irgendwelche Erkenntnisse über den tauschwirtschaftlichenMechanismus gewinnen könnte. 2. Der zweite Fehler ist derüberlieferte Wertbegriff, der Gedanke, daß es möglich sei, fürden Güterwert einen objektiven Ausdruck zu finden, mag man nunden Wert durch die Produktionskosten oder durch Nutzen undSeltenheit bestimmt sein lassen. Dieser Gedanke beruht immerauf einer Verwechslung mit dem Preise, auf der durchaus irr-tümlichen Annahme, daß der Preis eines Gutes ein objektiverAusdruck eines so oder so festgestellten Wertes sei. And damithängt der dritte Fehler eng zusammen, 3. die Annahme, daßGüter und Geldmengen, die getauscht werden, Äquivalenteseien. Diese Auffassung ist zwar auch schon von der modernensubjektiven Wertlehre bestritten worden, die darauf hinweist, daßman bei jedem Tausch einen Vorteil zu erzielen versucht, daseingetauschte Gut regelmäßig höher schätzt als das hingegebene;aber auf die Geldlehre ist diese Erkenntnis noch so gut wie gar nichtangewendet worden. Äier herrscht die ebengenannte Quantitäts-theorie, die Güter und Geldmenge, letztere noch multipliziert mitihrer Amlaufsgeschwindigkeit, einander als gleiche Größen, alsÄälften einer Gleichung gegenüberstellt. Gegen die Quantitäts-theorie sind zwar schon oft Einwendungen erhoben worden, aberdoch in der Hauptsache nur gegen zu scharfe Formulierungen,daß die Preise proportional der Vermehrung der Geldmengesteigen u. dgl. Gegen eine so allgemeine Formulierung, daß,wenn die Geldmenge stark vermehrt wird, viele Preise steigen, istnatürlich überhaupt nichts einzuwenden. Aber es ist damit auchnicht das geringste erklärt, und — was man oft in der öko-nomischen Theorie verkannt hat — Erscheinungen des Tausch-verkehrs zu erklären, ihre Ursachen, hier also die Ursachen vonPreisveränderungen, festzustellen, das ist die Aufgabe. Ob mandann irgendwie eine Gesetzmäßigkeit zwischen Ursache und Wir-kung formulieren kann, das kommt erst ganz in zweiter Linie.
Nachdem wir das vorausgeschickt haben, wird der Leser keinebesondere Mühe haben, uns zu folgen, wenn wir im nächsten Ka-pitel die neueste „Verfeinerung", welche die Quantitätstheorie er-fahren hat, kritisieren.*) Das volle Verständnis unserer Kritik
Im wesentlichen schon veröffentlicht in einem Aufsatz im „Bank-archiv" vom I. Juni 1916.