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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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die früheren, einen allgemeinen Geldwert feststellen. Siehaben nicht erkannt, daß die Beziehung des Geldes zum Ein-kommen nur für die Schätzung des Geldes innerhalb dereinzelnen Konsumwirtschaften, als Kosteneinheit gilt. Diepsychische Wirtschaftstheorie braucht aber auch nicht mehr, sieerklärt auch das Geld individualistisch, während die bisherigematerialistisch-quantitative immer Geld- und Gütermenge in derganzen Volkswirtschaft einander gegenüberstellen wollte undunter Einkommen letzten Endes auch eine Gütermenge verstand.In diesem Sinne ist jene Beziehung des Geldwertes zum Ein-kommen, besonders nach dem ganz materialistischen System vonWieser, nichts weiter als der alte Satz, daß das Geld seinenWert von den Gütern ableitet, die man dafür kaufen kann.

Aber damit kann man keinenWert" des Geldes in derVolkswirtschaft bestimmen. Denn einen solchen Ausdruck gibtes nicht. Es ist natürlich auch ganz unmöglich, wie die heutigenmaterialistischen Nationalökonomen (z.B. PH ilippovich, Lexis,Wieser und viele andere) es tun, dem Gelde dieRealein-kommen, also nur die Sachgüter gegenüberzustellen und dieVerwendung von Einkommen für alle anderen Bedürfnisse aus-drücklich auszuschließen. So sagt Philippovich,Grundriß ",§ 92:Das Verhältnis aller Geldeinkommen in der Volkswirt-schaft zu den Objekten des Konsums, also zu den Realein-kommen, wird sür den objektiven Tauschwert des Geldes ent-scheidend werden." Das ist ein typisches Beispiel der materia-listischen Wirtschaftsauffassung. Sie verkennt erstens, daß mitdem Gelde nicht nur Sachgüter, sondern auch zahlreiche persön-liche und sachliche Leistungen gekauft und daher bei der Ver-teilung des Geldeinkommens auf die Bedürfnisse in der einzelnenKonsumwirtschaft berücksichtigt werden. Zweitens verkennt siemit ihren rein quantitativen Gegenüberstellungen den psychischenCharakter aller wirtschaftlichen Begriffe. Drittens aber und vorallem verkennt sie, daß die Einkommen größtenteils gar nicht indem bestehen, was sie allein alsGeld" betrachtet, sondern nurein auf Geld lautender Rechnungsausdruck sind. Davon werdenwir unten sprechen.

Mit der psychischen Wirtschaftstheorie erkennt man, daß eseinen objektiven allgemeinen Geldwert, eine allgemeine Kaufkraftnicht geben kann, sondern jeder das Geld verschieden bewertet,

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