Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

Fünftes Kapitel

Das Wesen des Geldes

l.DasGeld" und die allgemeine Rechnungseinheit

ie wir gesehen haben, wird derWert" des Geldes, d. h. ebenseine Schätzung als Kostengut, die natürlich, wie aller Wert,alle Schätzung, etwas ganz Individuelles bleibt, durch die verfüg-bare Menge, d.h. durch die Einkommen bestimmt. Darinspricht sich eben der rein individuelle Charakter des Geldwertesaus. Denn das Geld hat ja überhaupt keinen anderen Zweck,als durch die Preise hindurch, welche die Erwerbswirtschaftenerzielen, und damit, wieder durch die Preise hindurch, der hinterder Erwerbstätigkeit stehenden Konsumwirtschaft die Befrie-digung aller ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen, auf die sie sonstselbst Arbeit verwenden oder, im Naturaltausch, die von ihrproduzierten Güter direkt hingeben müßte.

Aber nachdem wir so die innerwirtschaftliche Funktion desGeldes betrachtet haben, liegt die Frage außerordentlich nahe:Ist es denn wirklich das Geld, das in dieser Weise Kosteneinheitder Konsumwirtschaft ist? Es sind doch ganz offenbar die nurin Geld ausgedrückten Einkommen. Sind aber so mußman weiter fragen die Einkommen heute wirklich Geld? Istnicht ein großer Teil, ja vielleicht der größte Teil aller Ein-kommen, nurin Geld" verrechnet, erscheint nur als Guthabenbei den Banken, niemals aber, oder doch nur zu einem Teile,wirklich in der Geld form? And wenn das richtig ist, wiekommt man dann dazu, den staatlichen Zahlungsmittelneine so ungeheure Bedeutung zuzuschreiben, zu behaupten, daßdie Kaufkraft des Geldes einerseits durch das Gold (Metallismus),andererseits durch den Staat (Chartalismus) bestimmt werde,während in Wahrheit der größte Teil der Einkommen niemalsdie Form staatlicher Zahlungsmittel annimmt, sondern eine reinrechnungsmäßige Größe ist?

85