Äier liegen in der Tat Irrtümer vor, welche sich nur ausder Geschichte unserer Wissenschaft, Ausgang vom Volksreichtum,und nur aus der wieder damit zusammenhängenden quantitativ-materialistischen Wirtschaftsauffassung erklären lassen, welche aberheute noch ganz allgemein geteilt werden.
Wenn die Einkommen der „Geldwertbestimmungsgrund"sind, so beachte man doch einmal, wieviel Einkommen überhauptals bares Geld erscheinen. Doch höchstens der Tagelohn desArbeiters und der Erlös des kleinen Landwirts, Gewerbe- undHandeltreibenden, der aber auch immer nur Bruttoertrag ist,während sie ihr wirkliches Einkommen, das sie zur Befriedi-gung ihrer Bedürfnisse verwenden können, eigentlich niemals ineiner Geldsumme vor sich liegen haben. Erst recht werden aberalle sonstigen Einkommen überwiegend durch Gutschriften bei denBanken ihren Beziehern zugeführt. Aber auch bei ganz kleinenErwerbswirtschaften ist das Einkommen, mit dem sie rechnen unddas sie ihrer Konsumwirtschaft zugrunde legen, etwas ganz anderesals die Summen, die sie am Ladentisch oder in der Werkstatt alsErgebnis ihrer Erwerbstätigkeit in Empfang nehmen. Die Aus-gaben der Konsumwirtschaft erfolgen allerdings noch in größeremAmfange mit barem Geld, doch werden auch hier gerade diegrößten Zahlungen, Mietzahlungen, immer mehr durch denÄberweisungsverkehr, Scheckverkehr, ausgeglichen, der ja auchsonst immer größere Ausdehnung annimmt.
Es ist also gar nicht wahr, daß die Einkommen Geldsummensind. Ein großer Teil der Einkommen ist niemals Geld gewesen.Es sind nur Rechnungssummen in der Geldeinheit,Verfügungsmöglichkeir über Forderungen, die auf die auch demGelde zugrunde liegende Rechnungseinheit lauten. Von den vielenMilliarden — man schätzt es auf 40 Milliarden Mark —, diedas deutsche Volk jährlich als Einkommen erzielt und auf seinenKonsum verwendet, ist nur ein ganz verschwindender Teil wirklichin der Form der staatlichen Zahlungsmittel Einkommen geworden.Gerechnet aber wird selbst in der ärmsten Konsumwirtschaft, die„mit Pfennigen rechnet", in Wirklichkeit nicht in Geldstücken,sondern in der abstrakten Rechnungseinheit. Man kann auchsagen: gerechnet wird nicht in Geld, sondern in Preisen.Preise sind eben auch nicht nur bezahlte Geldsummen, sondernPreise sind viel häufiger abstrakte Nechnungsgrößen, kalkulierte86