Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
112
Einzelbild herunterladen
 

nicht paßte. Man gelangte zu ihr auf Grund von Be-obachtungen tatsächlicher Verhältnisse, suchte diese zu begründenund kam so zu speziellen Geldtheorien. Aber eine Verschmelzungdieser nominalistischen Geldtheorien mit der allgemeinen Wirt-schaftstheorie war nicht möglich. So finden wir bei solchenNationalökonomen, die nicht ausschließlich Geldtheoretiker sind,sondern das Geld im Rahmen einer allgemeinen Wirtschaftstheoriebetrachten wollen, wie besonders neuestens bei v. Wieser imGrundriß der Sozialökonomik", Band I, charakteristischeWidersprüche zwischen der nominalistischen Geldauffassung undihrer sonstigen materialistischen Wirtschaftstheorie.

Natürlich neigen auch manche neuere Geldtheoretiker zu einemEklektizismus, der auf Grund des unbefriedigenden Zustandes derallgemeinen Wirtschaftstheorie erklärlich ist, aber doch eine wirk-liche Erklärung der Geldphänomene vermissen läßt. Eine solchemuß auch das Geld mit der letzten Grundlage aller Wirtschaft,mit den Bedürfnissen der Individuen, in Verbindungbringen und von ihnen aus, wie alle tauschwirtschaftlichen Vor-züge, so auch das Geld systematisch erklären. Zu diesen eklektischenSchriften gehört auch das Buch von Äelfferich, dem wir zwarin den Einzelheiten der Geldlehre viele ausgezeichnete Ergebnisseverdanken, das aber in der allgemeinen theoretischen Erfassungdes Geldes versagt, eben wegen der Anklarheiten der allgemeinenWirtschaftstheorie.

1. Der Nominalismus

Die metallistische Anschauung ist heute noch die ganz über-wiegende. Es ist auch leicht einzusehen, daß sie der bisherigentechnisch-materialistischen Wirtschaftstheorie, die eineGüterlehre"ist, die Erscheinungen des Tauschverkehrs als Verhältnisse zwischenGütermengen erklären will, durchaus entspricht. Ebenso derheutigen Wertlehre, die infolge der Verwechslung von Wert undPreis an einen absoluten Wert, einerlei ob Substanz- oderFunktionswert, glaubt. Wie nach dem Wert aller Güter, für densie an einen objektiven Ausdruck im Wirtschaftsleben glaubte, sofragt sie auch nach dem Werte des Geldes und fand ihn natürlichin dem ihm zugrunde liegenden Edelmetall, dem Golde. Es istkein Zweifel, daß nur sie, nicht aber die nominalistischen An-schauungen in die bisherige ökonomische Theorie hineinpassen.112