Einige Vertreter des Nominalismus, vor allem O. Äeyn,haben denn auch schwächliche Versuche gemacht, die allgemeineWirtschaftstheorie zu verbessern. Aber Äeyn ist über allgemeineErörterungen über den Wertbegriff nicht hinausgekommen*) undzu einer theoretischen Begründung seiner nominalistischen Geldauf-fassung nicht gelangt. Andere Nominalisten haben daher auf eineStütze ihrer Anschauung durch die ökonomische Theorie überhauptverzichtet oder sie haben geglaubt, die Geldthorie unabhängig vonder allgemeinen ökonomischen Theorie aufstellen zu können. Dasgilt besonders für Knapp, „Staatliche Theorie des Geldes", diebestenfalls eine juristische, aber keine ökonomische Erklärung desGeldes ist. Es gilt aber auch für Versuche seiner Anhänger, wieF. Bendixen , der zwar meint, daß „die wirtschaftliche Theoriedes Geldes da beginnt, wo Knapp aufgehört hat", aber daß „diestaatliche Theorie die Elementarlehre des Geldes ist, über dieman so wenig streitet wie über das Einmaleins", und daß sie„einer befriedigenden wirtschaftlichen Theorie des Geldes nichtwiderspricht, sondern sie vielmehr sundamentiert".^)
Das ist nun sicherlich nicht richtig. Auch Knapp verkennt,ganz ebenso wie andere Vertreter der nominalistischen Anschauung,das eigentliche Wesen und die innerwirtschaftliche Funktion desGeldes. Er geht daher auch gar nicht näher auf eine ökonomischeBegründung seiner Theorie ein, ersetzt vielmehr die fehlendeökonomische Begründung seiner nominalistischen Auffassung, wo-nach der Wert des Geldes nicht an einen wertvollen Stoff ge-knüpft sei, durch die Behauptung, daß das Geld „ein Geschöpfder Rechtsordnung" sei, daß der Staat bestimmt, was Geld seiund was es zu gelten habe, und daß es also nur die Staatsmacht sei,welche stofflich wertlosen Gegenständen den Charakter des Geldesgeben könne. Knapp kam zu ihr als scharfsinniger Beobachter,er hat aber selbst empfunden, daß der Schluß, den er aus derBeobachtung tatsächlicher Verhältnisse, insbesondere des öster-reichischen Geldwesens, auf die „chartale " Natur des Geldes ziehenund der zur Ablehnung des Metallismus führen mußte, mit der
*) „Theorie des wirtschaftlichen Wertes", I. Teil, Berlin 1899.**) „Währungspolitik und Geldtheorie", S. 86 und 95. Als Anhängerdes „Chartalismus" kann man natürlich immer nur die vom Staate aus-gegebenen oder autorisierten Zahlungsmittel, nicht aber die abstrakte Rech-nungseinheit als Geld ansehen.
R. etefmann, Geld und Gold « 11Z