bisherigen Wirtschaftstheorie nicht übereinstimmte. Wie schwerKnapp diese Erkenntnis geworden ist, weil er sie nur aus derBeobachtung der tatsächlichen Verhältnisse schöpfte und in seinensonstigen theoretischen Anschauungen auf dem Boden der über-lieferten materialistischen Wirtschaftsauffassung stand, erhellt ausfolgenden Sätzen (a. a. O., S. 13): „Lange hat es mir im Innerstenwiderstanden, anzuerkennen, daß die nominale Werteinheit voll-ständig ausreicht für Arteile über den lytrischen (d. h. in bestimmtenTauschmitteln ausgedrückten) Wert der Güter. Es war auch meinIrrtum, was der Irrtum fast aller ist; ich glaubte, Werturteilekämen nur zustande, wenn Güter mit Gütern verglichen werden...Jetzt aber kann nur noch behauptet werden, daß auf diese Weisedie ersten Werturteile zustande kamen. Wenn aber dieseArt von Beurteilung eingebürgert ist, dann ist es unnötig, Gutmit Gut zu vergleichen. Dann können Werturteile über ein Gutabgegeben werden unter Benutzung der nominalen, nur historischdefinierten Werteinheit."
Äätte man früher erkannt, daß Wirtschaften nicht Güter-beschaffung, sondern Nutzen- und Kostenvergleichen, etwas Psy-chisches ist, dann hätte man längst eingesehen, daß man überhauptnicht Güter mit Gütern vergleicht, am wenigsten quantitativ, son-dern Lust- oder Anlustgefühle.*) Diese können als Kosten auchan Dinge anknüpfen, die nur indirekt der Nutzenbeschaffung dienenund so auch an eine abstrakte Nechnungseinheit, sobald sie nur all-gemein angenommen ist und damit die Sicherheit auf Beschaffungvon Genußgütern im Tauschverkehr gewährt. Darauf allein beruhtdie Kaufkraft des Geldes, aber nicht auf irgendwelchen stofflichenEigenschaften.
So ist es zweifellos unrichtig und zeigt die Folgen zu ein-seitig historisch-induktiver Betrachtung und das Fehlen einersystematisch-theoretischen Begründung, wenn Knapp am Eingangseines Werkes das Geld als „ein Geschöpf der Rechtsordnung"bezeichnet. Denn gerade das, was das eigentliche Geld und dasökonomische Wesentliche am Gelde ist, seine innerwirtschaftlicheund tauschwirtschaftliche Funktion als Rechnungseinheit, das
*) Auch ist es, wie wir wissen, ein fundamentaler Irrtum, die Geld-ausdrücke, die Preise, für „abgegebene Werturteile" zu halten. Dannmüßten alle, die ein Gut kaufen, es gleichhoch schätzen. Merkwürdig, daßein so scharfsinniger Kops wie Knapp einen so einfachen Satz nicht erkannt hat!
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