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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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hat der Staat nicht geschaffen. Er benennt nur eine schon bestehendeRechnungseinheit, setzt fest, wie diese Nechnungseinheit eineForm im äußerlichen Gelde erhalten soll, bestimmt, daß der zehnteTeil einer Goldmünze, von der 139^2 auf ein Pfund feines Goldgehen, Mark genannt werden soll, aber er bestimmt nicht, was dieseNechnungseinheit gelten soll, ihre Schätzung den Gütern gegen-über, ihre Kaufkraft. Diese wird bestimmt durch das Verhältnisvon Einkommen und Preisen einerseits, was damit an Bedarfs-befriedigung zu erreichen ist andererseits. Nicht das Geld kauftdie Gütermengen, sondern die Einkommen, die in der Rech-nungseinheit ausgedrückt sind. Ob dieses rechnungsmäßige Ein-kommen in Metallgeld, Banknoten oder Wechseln, Dividenden-scheinen usw. besteht, ist ganz gleichgültig. Nicht dasGeld" wirdbei der Bedarfsbefriedigung verbraucht ein großer Teil derEinkäufe der Konsumwirtschaften vollzieht sich ja heute schon ohneGeld, sondern das Einkommen. Nicht die Geldstücke sindKostengut, sondern ein Soundsvvielfaches der Nechnungseinheit.Das Einkommen ist keine Geldsumme, sondern nur eine in der Rech-nungseinheit, demNenner", auf die auch das Geld lautet, aus-gedrückte Summe, die in jeder Einzelwirtschaft Grundlage derNutzen- und Kostenvergleichung wird und daraufhin im gesamtenTauschverkehr wieder zu Preisen führt.

Durch die Entwicklung des Geldwesens im Kriege hat dienominalistische Auffassung, aber nicht die Knappsche rechtlicheBegründung dafür, wohl eine weitere Bekräftigung erfahren.Insbesondere mußten die Verhältnisse in Schweden und Argen-tinien, wo die Banknoten ein Agio gegenüber dem Golde erzielten,ganz einfach, weil die Notenbanken solches nicht mehr nehmenwollten, den Metallisten zu denken geben. Bei Lichte besehenist ja der Nominalismus eine logische Selbstverständlichkeit, aberauch jetzt noch fehlt vollkommen die ökonomisch-theoretische Be-gründung dieser Auffassung, die eben in einem materialistischenSystem nicht möglich ist. Deshalb halten auch gerade die Äaupt-vertreter der heutigen ökonomischen Theorie an der metallistischenAuffassung fest. Ich will nur eine charakteristische Äußerung dazumitteilen. C. Diehl sagt:*)Knapp behauptet: für den innerenVerkehr eines Staates ist ein Geld ohne Stoffwert möglich.

*)Deutschland als geschlossener Äandelsstaat im Weltkriege". Stutt-gart 1916, S. 20.

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