Tatsächlich ist aber unser deutsches Geld gar kein stoffwertloses;es handelt sich um Geldsurrogate, die alle auf wirkliches Metall-geld basiert sind. Nie haben die Metallisten bestritten, daß inweitgehendem Maße Ersatzmittel für das Geld möglich sind, wennnur die metallische Währung selbst erhalten bleibt.. . AnserKriegsgeldzustand ist in keiner Weise ein Beweis für dieKnappsche Theorie und gegen die metallistische Theorie, sondernes muß dabei bleiben, daß ein freier Wirtschaftsverkehr ein Geld mitStoffwert notwendig hat... Wenn die Produktion einzelnenPrivatpersonen anvertraut (?) ist, die nach Belieben Waren auf denMarkt werfen, muß ein Wertvergleichungsmittel da sein.(Der bekannte Irrtum, daß das Geld und die Preise ein Ver-gleichsmittel des Wertes der Tauschgüter zwischen den Tauschendenseien!) Die Produzenten müssen die kauflustigen Konsumentenauffordern können: Nun schätzt ihr an einem allgemein beliebtenGegenstande wie z. B. Gold ab, wieviel ihr mir für meine Waregeben wollt!"
Daß dieser letzte Satz nicht stimmt, daß niemand am Goldeabschätzt, wieviel er für eine Ware geben will, darüber brauchtman sich kaum mehr zu unterhalten. Aber weiter: Zu behaupten,daß nur die metallische Währung Geld und alles andere nurGeldsurrogate sei, ist ein bloßer Streit um Worte. Erklärenmuß die ökonomische Theorie die unbestrittene Tatsache, daß esuneinlösbares Papiergeld gibt, dessen Kaufkraft von der desMetallgeldes ganz unabhängig ist, daß viele Staaten lange einesolche reine Papierwährung, ohne daß „die metallische Währungerhalten blieb", gehabt haben, viele zum Teil noch haben undohne Nachteile dauernd haben könnten. Das kann die materiali-stische Wirtschaftstheorie mit ihrem auf Nutzen und Seltenheitberuhenden Wertbegriff, mit dem sie ein allgemeines Maß desGüterwertes und damit auch des in einem wertvollen Stoff ver-körperten Geldes gefunden zu haben meint, nicht leisten. DieErklärung ist nur möglich, wenn man das Wesen der Wirtschaft,das mit Stoffbeschaffung und Stoffumwandlung nichts zu tunhat, und die Funktion des Geldes in den Einzelwirtschaften richtigerkannt hat.
Doch kehren wir zur chartalistischen Theorie zurück. Mangelseiner richtigen Wirtschaftstheorie hat man die induktiv gewonneneErkenntnis von der Anabhängigkeit des Geldwertes von seinem116