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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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der Chartaltheorie ausmacht, beruht auf Selbsttäuschung und aufgründlicher Verkennung des Geldwesens." Gegen andere nomi-nalistische Begründungen hat sich Lansburgh gar nicht gewandt.Ich verteidige nun keineswegs die bisherigenChartaltheorien",die entweder, wie die Knapps, eine ökonomische Begründungüberhaupt nicht versuchen oder sie mit den Mitteln der quantitativ-materialistischen Wirtschaftstheorie versuchen, mit denen sie nichtbegründet werden kann. Die bisherigen Nominalisten habenweder den Metallismus durch ein klares theoretisches Systemersetzt, obgleich sie für seine Unmöglichkeit höchst überzeugendesMaterial beibrachten, noch haben sie den Nominalismus theoretischbegründet. Beides ist nur in einem geschlossenen theoretischenSystem auf psychischer Grundlage möglich.

Wegen dieses Mangels der bisherigen nominalistischen Geld-lehren wendet sich auch O. Äeyn gar nicht gegen den Passus inLansburghs Schrift, in dem dieser nun seinerseits den Metallis-mus zu begründen versucht, mit anderen Worten, er liefert ebennur eineVerteidigung der Chartaltheorie", vermag aber diemetallistische Theorie nicht mit Gründen der ökonomischen Theorieanzugreifen. Lansburgh sagt (S. 57):Will ein Staat neueGeldarten schaffen, gleichzeitig aber seine Währung gegen Wert-schwankungen sichern, so genügt es nicht, daß er die neuenZahlungsmittel in sein historisch gewordenes Geldsystem einreihtund ihnen durch Gesetz oder Verordnung den Nennwert deralten Zahlungsmittel beilegt. Diese Verankerung des neuenGeldes in der Landeswährung ist viel zu lose. Es bedarf einerzweiten Verankerung, um zu bewirken, daß der so verlieheneNennwert der Zahlungsmittel zu einem Effektivwert wird.Die Zahlungsmittel müssen da der (die übliche quantitativeBetrachtungsweise!) Wert jedes Gutes sich durch das Aus-tauschverhältnis mit anderen Gütern bestimmt unlöslich mitdemjenigen Gute verknüpft werden, welches man in den für denÄandel maßgebenden Ländern zum Welt-Austauschgut und damitzum Welt-Wertmesser gemacht hat."Am diese Weltgeldqualitätzu haben und zu behalten, brauchen die Zahlungsmittel nichtunter allen Umständen stofflich aus dem Welt-Tausch gut zubestehen. Sie haben und behalten diese Qualität auch, solangesie jedem Besitzer die Möglichkeit gewähren, ohne Mühe undVerzug in den Besitz des Welt-Tauschgutes zu kommen, also so-

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