halten, in ihrer Schaffung den eigentlichen Bestimmungsgrund desGeldwertes zu sehen, wie es Metalliften und Knappianer ingleicher Weise tun, war nur auf dem Boden der hergebrachtenmaterialistischen Wirtschaftsauffassung möglich, die, wie die Sach-güter, so auch nur die realen Zahlungsmittel betrachtete. Dergrößte Teil aller Amsätze wird heute schon und wird bei weitererEntwicklung sicher noch mehr in der allgemeinen Rechnungseinheitnur verrechnet.
Wie verhalten sich diesem Ideal gegenüber die heutigen Ord-nungen des Geldwesens? Am das zu beurteilen, ist es nötig,sich über eines der wichtigsten Probleme der Geldtheorie Klarheitzu verschaffen, nämlich über die Frage: Wie wirkt die Geld-vermehrung, die Vermehrung der realen Zahlungs-mittel auf die Preise, oder, nach der heute üblichen, starkmißverständlichen Ausdrucksweise, auf die „Kaufkraft" oderden „Wert" des Geldes?
Kier gilt noch heute im großen und ganzen die Quantitäts-theorie, die, wie wir gesehen haben, erst neuestens in dem großenWerke von Irving Fisher über „Die Kaufkraft desGeldes" ins Extrem getrieben wurde. Der richtige Gedankeder Quantitätstheorie, daß, wenn die Geldmenge stark vermehrtwird, viele Preise (aber nicht „die" Preise) steigen, kann auchnicht bestritten werden und ist durch tausendfältige Erfahrung be-wiesen. Aber die Quantitätstheorie behauptet ganz allgemein, daß„die" Preise — das kann nur heißen alle Preise — steigen, unddie strenge Quantitätstheorie behauptet dabei eineproportionaleSteigerung „der" Preise, also natürlich aller Preise, entsprechendder Geldvermehrung. Dies insbesondere auch I. Fisher , dernur schärfer formuliert hat, was unter Geldmenge zu verstehenist. Es muß dabei auch die Amlaufsgeschwindigkeit desGeldes berücksichtigt werden, und daher sind nach Fisher nicht nurdie realen Zahlungsmittel, sondern auch die Depositen, die demScheck- und Giroverkehr zugrunde liegen, und ihre Amlaufsge-schwindigkeit der Geldmenge hinzuzurechnen. Alle diese Faktorenwill Fisher zahlenmäßig feststellen, und aus ihren Veränderungenglaubt er entnehmen zu können, daß die Preise proportional mitder Vermehrung der Geldmenge in jenem weiteren Sinne, undzwar vor allem auch infolge der Vermehrung der Goldproduk-tion gestiegen seien.
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