Fisher, der immerhin die Antersuchung der Frage, wenn auchvon der ganz falschen Grundlage der bisherigen Auffassung aus,wesentlich vertieft hat, geht dabei aber auch insofern von Irr-tümern aus, als er aus einigen sehr willkürlich ausgewähltenPreisen eine Indexnummer, ein „allgemeines Preis-niveau" herausrechnet, das er seiner Geldmenge x Amlaufs-geschwindigkeit gegenüberstellt. Er berücksichtigt dabei nicht imgeringsten die Frage, ob wirklich alle Preise gestiegen sind, son-dern begnügt sich, wie übrigens alle, die das Problem bisheruntersucht haben, mit der Tatsache, daß bei Vermehrung derGeldmenge viele Preise zu steigen pflegen. Das „allgemeinePreisniveau" ist also, wie wir schon oben (Kapitel 3) ausführten,eine Fiktion, eine Annahme, die nicht im mindesten auf ihre tat-sächlichen Grundlagen geprüft wurde.
Vor allem aber beschäftigt sich Fisher, und dieser Vorwurfgilt ebenfalls nicht nur für ihn, sondern für alle, die bisher denEinfluß der Geldvermehrung auf die Preise erörtert haben, gar nichtmit der Frage, wodurch, auf welchem Wege und in welcherWeise eine vermehrte Geldmenge zu Preissteigerungen führt.Das gilt für alle bisherigen Lehren über die „Kaufkraft desGeldes". Regelmäßig stellt man es sich so vor, als ob eine Ver-mehrung der Geldmenge mechanisch und automatisch alsbald eineErhöhung der Preise herbeiführte. Man hat empirisch festgestellt,daß eine starke Papiergeldvermehrung immer zu sehr ungünstigenwirtschaftlichen Zuständen, namentlich zu starken Preissteigerungenführte, hat demgegenüber rein empirisch die Verknüpfung derZahlungsmittel an ein nur beschränkt vermehrbares Edelmetall alsSchutzmittel gegen die schädliche Geldvermehrung erkannt und hatebenso rein empirisch die bekannten DeckungsVorschriften fürdie papiernen Zahlungsmittel getroffen. Den tauschwirtschaftlichenProzeß aber, durch den eine Geldvermehrung zu Preissteigerungenführt, hat man sich nie recht klargemacht, mangels einer richtigenWirtschaftstheorie. Die Quantitätstheorie gilt als Naturgesetz.Wie in zwei kommunizierenden Röhren das Wasser in der einensteigt, wenn es in der anderen vermehrt wird, einen solchen natür-lich-mechanischen Prozeß nahm man auch bei der Geldvermehrungund dadurch herbeigeführten Preissteigerung an. Man hielt esfür ganz unnötig, noch näher den tauschwirtschaftlichen Vorgangzu untersuchen, durch den das herbeigeführt wird. Fisher hat
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