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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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keine Ahnung davon, daß eine vergrößerte Geldmenge dadurchund nur dadurch wirkt, daß sie erhöhte Kaufkraft, neue Ein-kommen bedeutet, was zunächst beim Staate der Fall ist. Ersagt u. a. (S. 126):Wir versuchen nunmehr zu beweisen, daß(mit Ausnahme von Übergangsperioden) das Handelsvolumenebenso wie die Amlaufsgeschwindigkeit des Geldes von der Quanti-tät des Geldes unabhängig ist. Eine außerordentliche Erhöhungder Amlaufsmittel kann weder die Erzeugnisse von Ackerbau undIndustrie, noch die Fahrgeschwindigkeit von Lastzügen oder Schiffenerhöhen." (Kier sieht man die Folgen der üblichen Verwechslungvon Wirtschaft und Technik!) Eine Zunahme an Goldgeld sührenur eine Zunahme im Äandel in Goldgegenständen, von Maschinenzum Goldbergbau usw. herbeil Ein größerer Irrtum ist kaumdenkbar. Wohl hat eine Steigerung der Geldmenge oft eineSteigerung der Preise zur Folge, aber man muß erkennen, aufwelchem Wege. Dann erkennt man auch, daß von einer automati-schen Proportionalität, wie sie Fisher sich vorstellt, keine Redesein kann.

Die Quantitätstheorie gilt, obwohl sie in der oben gegebenenallgemeinsten Fassung nicht falsch ist, in Wahrheit nur inner-halb der einzelnen Konsumwirtschaft und besagt nichtsweiter, als daß, je mehrGeld", d. h. Einkommen, man zur Ver-fügung hat, man um so mehr für die Befriedigung jedes einzelnenBedürfnisses verwenden kann. Aber von einer Proportionalität kanndabei schon um deswillen nicht die Rede sein, weil die Bedürfnisseniemals und unter keinen Umständen meßbar und äußerlich ausdrück-bar sind. Für den ganzen Tauschverkehr und die dabei ver-wendete Geldmenge, für die ja die Quantitätstheorie gelten soll,ist zu sagen, daß überhaupt nicht diese Geldmenge, auch wennman sie mit dem großen X, dem ganz unfaßbaren Begriff Am-laufsgeschwindigkeit multipliziert, die Güter kauft, sondern dieEinkommen, die nicht Geldmengen, sondern in der abstraktenNechnungseinheit Mark ausgedrückte und individuell geschätzteGrößen sind.

Wir können unsere Anschauungen über die Frage der Ein-wirkung der Geldvermehrung auf die Preise, eine der wichtigstender Wirtschaftstheorie überhaupt, in möglichster Kürze etwa fol-gendermaßen formulieren. Geld, Preise und Einkommen stehenim allerengsten Zusammenhange miteinander, von dem die bis-160