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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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sofort an zahlreiche Staats- oder Reichsbankkassen verteilt werdenund dort in unzähligen kleinen Auszahlungen sofort verschwinden.Kurzum, die wirtschaftliche Funktion, der Zahlungsmittel imTauschverkehr, ihr Verhältnis zur Einkommensbildung ist unterallen Amständen für den Einfluß auf die Preise entscheidend.

Daß die in früheren Zeiten so unendlich häufigen Eingriffe desStaates in das Geldwesen in der Regel sehr bald Veränderungenseiner Schätzung bewirkten, hat darin seinen Grund, daß ebenwegen dieser häufigen Eingriffe sowohl das Vertrauen zum Staatewie auch infolgedessen das Vertrauen auf die allgemeine An-nahme des Geldes nicht vorhanden waren. Bei dem damalsüblichen Papiergeld spielte natürlich auch der Kredit des Staates,seine Fähigkeit und sein Willen zur Einlösung eine Rolle.Aber darüber hinaus ist das Vertrauen in das Geldwesen selbst,die Beständigkeit in der allgemeinen Schätzung der Rechnungs-einheit, die sich eben in den Preisen ausspricht, von Bedeutung.Daher sind die heutigen, nicht von der Geldseite hergekommenenVeränderungen seiner Kaufkraft auch auf das dem Staat undseiner Geldpolitik gewährte Vertrauen von Einfluß. Wo einmaldie Stabilität der Nechnungseinheit durch einerlei welche Gründeerschüttert ist, das überlieferte System der Preise und Einkommenstarken Schwankungen unterworfen ist, da wird auch jede Ver-mehrung der staatlichen Zahlungsmittel viel schneller auf dieSchätzung des Geldes einwirken, als das in ruhigen Zeiten derFall ist. Äier liegt wohl der Grund, weshalb die fast doppelt sostarke Vermehrung der Banknoten in Frankreich während desKrieges, trotzdem sie schon zu einer fast doppelt so großen Geld-menge pro Kopf der Bevölkerung hinzukam und bewirkte, daßder Geldvorrat in Frankreich pro Kopf der Bevölkerung jetzt un-gefähr vier- bis fünfmal so groß ist wie bei uns, doch nicht zurFolge gehabt hat, daß die Kaufkraft des Geldes im Kriege dortstärker gesunken ist als bei uns, denn Frankreich hatte eben vordem Kriege die geringste Teuerung.*) Das alles beweist, daßdie Menge, die der Verkehr in Zahlungsmitteln aufnehmen kann,eine ungeheuer elastische Größe ist, und daß auch recht erheblicheVeränderungen dieser Menge die Schätzung der Rechnungseinheit

Der Außenwert des französischen Geldes, sein Verhältnis zu denWährungen des neutralen Auslandes, ist sogar erheblich weniger gesunkenals der des deutschen.

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