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sellschaftliche Vorurteil gegen den Handelstand, die sichdaraus erklärende Ungewandtheit im Handel, sodann auchdie finanzielle Abhängigkeit brachte es mit sich, dass derLandwirt meistens immer einen Vertrauenskaufmann hatte,der ihm alles besorgte. Von und durch ihn kaufte undverkaufte er alles; dieser eine Kaufmann war sein Agent,Käufer, Verkäufer und Banquier. Hieraus ist auch derzweite charakteristische Zug des Posener Getreidehandels zuerklären, — die Vielseitigkeit desselben.
Die sonstigen Handelsverhältnisse haben sich demVorbildc des Westens angepasst und mit der Zeit mehr und
Davon waren:
la) polnische Genossenschaften
lb) Betriebe des freien Handels inpolnischen Händen (nach privaterErmittelung
zusammen polnische Betriebe2a) Deutsche Genossenschaften:Landwirtschaftliche GenossenschaftenZentral Ein- und Verkaufs-Vereinzu Posen
2b) Raiffeisen-Genossenschaften
Deutsches Lagerhaus in Posen _
zusammen
nimmt man an, (was zu hoch ge-griffen scheint) die deutschen,nicht jüdischen Betriebe desfreien Handels in Höhe von
36
_26_
52 = 2.4 % der Betriebe
16
1
15
_1 _
33 Betriebe
50
dann gäbe es deutsche, nicht
jüdische Betriebe zusammen 83=3.9 % der Betriebe
Mithin gibt es in Getreidehandel noch im Jahre 19072161 — 52 — 83 = 2026 jüdische Betriebe d. h. 93.7o/ 0 der Betriebe desPosener Getreidehandels waren im Jahre 1907 in Händen von Juden.Dazu muss man aber bemerken, dass der Prozentsatz der gewerbe-tätigen Personen sich für die Juden nicht so günstig stellt. Dennerstens sind die nicht jüdischen Betriebe durchschnittlich grösser,sodann beschäftigen die Juden vielfach nichtjüdisches Personal, vorallem sind die Arbeiter (nach der Statistik waren es 1002) sicherkeine Juden. Da die Statistik sich damit nicht befasst, und ichprivate Ermittelung soweit nicht durchführen konnte, so kann ichhierfür mit Zahlen nicht dienen. Ich glaube aber keinen zu grossenFehler zu machen, wenn ich behaupte, dass nur 65 o-' 0 der im Ge-treidehandel tätigen Person Juden sind.