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Der Getreidehandel in der Provinz Posen / von Władysław Hedinger
Entstehung
Seite
81
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polizeiliche Marktbericht vom 1. Januar 1905 ab unter demTitelAmtlicher Marktbericht nach polizeilichen Fest-stellungen veröffentlicht wird.

Von diesemamtlichen Marktbericht nach polizeilichenErmittelungen gilt dasselbe wie von den behördlichenNotierungen an den sonstigen Normalmarktorten, d. h. erhat meist nur für die Intendantur Bedeutung. Der privateHandel hat seine eigene Preisnotierung.

Die Entwickelung zur heutigen Organisation ist rechtlehrreich, daher sei sie nachfolgend angeführt).

Die Entwickelung des Getreidehandels

vom Markthandel zur Börse.

Ursprünglich versammelten sich die Kaufleute fasttäglich auf dem Bernhardinerplatz, wo die Zufuhren vonGetreide sowohl von Bauern als auch von Gutsbesitzernausnahmslos per Gespann herankamen. Als jedoch dieseZufuhren infolge zunehmender Intensität der Landwirtschaftund infolge der Verbesserung der nach Posen führendenLandstrassen sich derartig vergrösserten, dass der Bern-hardinerplatz für sie nicht mehr ausreichte, pflegten diehiesigen Getreidehändler und Müller an der Ecke derBreiten- und Gerberstasse vor dem ehemaligen Hotel deParis zusammen zukommen, und dort den Einkauf des aufdem Wagen in Säcken stehenden Getreides zu besorgen.Dieser Platz wurde aus dem Grunde gewählt, weil diemeisten Waren aus dem Osten per Gespann ankamen unddie Verkäufer es vermeiden wollten, unnötigerweise dieWallischeibrücke zu passieren und den Brückenzoll zu be-zahlen, zumal ein grosser Teil der Getreidespeicher sich aufder Wallischei befand. Das Geschäft wickelte sich in derWeise ab, dass die Produzenten und auswärtigen Händlervon dem auf der Wallischei befindlichen Getreide-Probenentnahmen und diese zu den an der bezeichneten Strassen-ecke sich aufhaltenden Käufern brachten.

Naturgemäss entstanden durch diese Zusammenkünfteauf offener Strasse, die nichts anderes, als einen Teil des

5 ) Handelskammerberichte 1902.