Schlussbemerkungen.
Der Zeitabschnitt von 1888 — 1908 gehört sozusagender Gegenwart an, und jedes endgültige Urteil muss alsverfrüht anzusehen sein. Jedoch haben die Ausführungeneinerseits einen kleinen Beitrag gegeben zu den Folgen dergegenwärtigen Handelspolitik des Deutschen Reiches, ander-seits sprechen die Ziffern der amtlichen Statistik nebst denvon mir gegebenen Erläuterungen dafür, dass der Getreide-handel in der Provinz Posen in seiner geschichtlichen Ent-wickelung während der letzten 20 Jahre an einen Wende-punkt gekommen ist. Die Ursachen sind vor allem wirt-schafts-politischer Natur. Dank der Handels- und Zollpo-litik des Deutschen Reiches und der mit dieser Hand inHand gehenden Eisenbahntarifpolitik der preussischen Re-gierung wurde in der durchaus agrarischen Provinz diewirtschaftliche Lage des Producenten gestärkt und infolge-dessen das Uebeigewicht des kapitalkräftigen Getreidehandelszurückgedrängt.
Allein ausser dieser wirtschaftlichen Ursache spielt inder Provinz Posen noch das kulturpolitische Moment desNationalitätenkampfes eine hervorragende Rolle. Dem Na-tionalitätenkampf verdankt die Provinz Hunderte von Millio-nen Mark, die für die sog. Ostmarkenpolitik ausgegebenworden sind, und dem steigenden nationalen Bewusstseinwurde die Monopolstellung der Juden im Getreidehandelein Dorn im Auge. Da die Juden von deutscher wie vonpolnischer Seite als national unsicher angesehen werden,so wenden sich beide Nationalitäten gegen sie, sie sind so-zusagen zwischen zwei Feuer gekommen, und deswegen wird