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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
Seite
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DIE GELBEN BÄUME

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blanc, sourtout quand dans ses lettres ü lui dit du mal de l'Oncle Edouardet de la Republique francaise." In Itaken hatte es Wilhelm II. mit demKönig Viktor Emanuel III. und der Königin Elena persönlich schon längstverdorben. Der einzige Hof, den er menagierte, war der Wiener Hof, undauf den kam es verhältnismäßig am wenigsten an, weil Österreich unsnotwendiger brauchte als wir die Doppelmonarchie.

Auch die Idiosynkrasie des Kaisers gegen die Japaner störte unserepolitischen Kreise. Als der Russisch-Japanische Krieg sich seiner Entschei-dung näherte, schrieb ich darüber Seiner Majestät: Ein Wieder auferstehender Tamerlan und Dschingiskhan hätten wir vorläufig nicht zu befürchten.Einer solchen Gefahr entgegenzutreten, wären übrigens, wie ein Blick aufdie Landkarte zeige, in erster Linie Rußland, England und Frankreich berufen. Es wäre Sache dieser Mächte, einer etwaigen gelben Gefahr ent-gegenzutreten. Von diesen drei Vertretern der weißen Rasse erschiene aberjetzt Rußland allein auf dem Plan. Frankreich hätte in aller Stille seineNadel aus dem Spiel gezogen, England sich mit der gelben Rasse verbündet.Für Deutschland hege in der gegenwärtigen Dislozierung der Machtfaktorenmeines Erachtens eine ernste Mahnung zur Vorsicht. Daß die gelbenBäume nicht in den Himmel wüchsen, dafür sei auch ohne Deutschlands Mitwirkung mehr als genügend gesorgt. Ich betonte:Viel näher liegt dieGefahr, daß wir eines Tages Japan als den Verbündeten weißer Feindegegen uns haben." Wir hätten also ein unmittelbares und erhebhches poli-tisches Interesse daran, die gegenwärtige Krisis auszunutzen, um unsereBeziehungen zu Japan zu verbessern, was ohne Falschheit gegen Rußland geschehen könne, wenn wir an unserer bisherigen loyalen Neutralität auchweiter festhielten.